Nach Thug Life waren die Outlawz die zweite Crew um Tupac Shakur. Im Gegensatz zu ersteren hat es bei ihnen jedoch leider nicht geklappt ein Album herauszubringen als Pac noch am Leben war. Die Besetzung der Mannschaft auszumachen, ist nicht besonders leicht, da sie ständig wechselte. Auf ihrem ersten Werk von 1999 bestand die Crew aus 2Pac und seinem Cousin Kadafi, Napoleon, E.D.I. Amin, Kastro und Young Noble. Husein Fatal, der ebenfalls mal ein Mitglied war, ist hier nicht zu hören, da er als einziger auf 2Pac gehört hatte und nicht bei Death Row unterschrieb. Produziert wurde "Still I Rise" von Pac selbst, aber auch Daz Dillinger, QDIII, Johnny J oder Big D standen an den Reglern, als Gäste sind alte Bekannte wie Big Syke, Lady V und Nate Dogg mit von der Partie.
Gleich der erste Song "Letter To The President" ist einer der besten. Nach einem kleinen düsteren Intro setzt ein ebenfalls dunkler G-Funk Beat ein, worüber zunächst Pac, dann E.D.I., Big Syke und Kastro ihre Verse kicken. Besonders die Message ist hier toll, allerdings wird auch klar, dass mit 2Pac keiner so wirklich mithalten konnte, außer vielleicht Syke. Deutlich entspannter ist Titelsong "Still I Rise" gehalten. Es ist ein emotionales, melodisches und einfach wunderschönes Stück, das einen sofort nach Kalifornien versetzt. Pac sticht natürlich wieder heraus, aber auch die andern um Napoleon, Kadafi und Noble gefallen mir, werden von dem toll gesungenen Chorus von Ta'He jedoch ausgestochen. "Secretz Of War" ist wie der Name schon sagt eine etwas härtere Nummer, überzeugt jedoch genauso wie die vorangegangenen. Danach erreicht man etwas bekanntere Töne.
"Baby Don't Cry (Keep Ya Head Up Part II)" ist das Sequel zu Pac's Mega-Hit "Keep Ya Head Up" und tatsächlich hat man es geschafft eine Verwandtschaft zwischen den Songs herzustellen, auch wenn Teil 2 natürlich moderner, aber auch etwas fröhlicher klingt. Am Mic stehen hier neben Pac auch E.D.I. Amin, Young Noble und Sängerin H.E.A.T., die mit Pac den Hook performt und einen damit dahinschmelzen lässt. Ein weiteres Meisterwerk ist "As The World Turns" was dem traumhaften Instrumental von Big D zu verdanken ist. Schnelle Beats treffen auf einen gefühlvollen Mix aus Piano und Gitarre zurückzuführen ist, zusätzlich übernahm Big D auch noch den Refain. Auch die Raps passen wie die Faust aufs Auge, daher eine echt tolle Nummer, was man von den etwas unspektakulären "Black Jesuz" und "Homeboyz" jetzt nicht unbedingt behaupten kann.
Umso besser gelang "Hell 4 A Hustler". Es ist etwas flotter, durch gelegentliche Streicher und Chorgesänge kommt allerdings auch eine gewisse Mystik auf, besonders der Refrain Hat dabei Gänsehautatmosphäre. Diesmal kommen die Texte von 2Pac, E.D.I. und Young Noble, von denen mir die ersten beiden am Besten gefallen. "High Speed" ist alles andere als der Name vermuten lässt. Eher ruhig, nachdenklich, aber auch sehr angenehm und frisch. Pac übernimmt den Großteil des Liedes, was auch eine sehr gute Entscheidung war, denn seine Stimme hört sich zu dem Instrumental einfach großartig an. Man nannte Tupac nicht umsonst einen Propheten, ein Satz der immer wieder kehrte war "The Good Die Young" was gleichzeitig auch der Titel eines Liedes hier ist. Auf der einen Seite natürlich tragisch, auf der anderen großartig, denn wenn man sich diesen Song anhört, kommt man aufgrund der gefühlvollen Melodien und persönlichen Rhymes doch schnell in eine kleine Ekstase.
"Killuminati" klingt sehr Old School. Dies kommt von einem schlichten und harten Beat, der kleine Unterstützung durch einen funky E-Bass erhält, im Hook kommen dann noch ein paar singende Ladies dazu. Auch die Raps kommen sehr fresh, besonders 2Pac überzeugt, doch auch der Rest weiß den Anführer Don Killumiati würdevoll anzupreisen. Pac's alter Kollege Nate Dogg lässt sich auf "Teardrops And Closed Caskets", dem letzten großen Highlight, blicken. Ein Schlagzeug gibt den Takt vor, dazu noch ein bisschen Funk und schöne Harfen- und Geigenmelodien, wozu Nate Dogg wie geschaffen ist, doch auch die Outlawz, die sich mit rappen abwechseln, hören sich klasse an. Der Rest von "Still I Rise" ist leider nicht mehr unbedingt das Gelbe vom Ei. Die düstere Kurupt-Produktion "Tattoo Tears" erzeugt zwar Atmosphäre, passt aber irgendwie nicht so ganz zum restlichen Album. Dafür hört sich "U Can Be Touched" noch recht gut an, dafür floppt "Y'all Don't Know Us", übrigens ohne Pac, doch ganz schön.
Mit "Still I Rise" schafften die geldgierigen Plattenbosse eines der besten Post-Alben des Tupac Shakur. Zwar gelang nicht jeder Song, der Großteil hingegen ist auf höherem Niveau, teilweise bekommt man auch noch echte Perlen geboten. Eine nette Ergänzung wäre noch "Hit 'Em Up" als Bonus Track draufzupacken, denn das gibt es ja leider nur auf Pac's Best Of. Würde man sagen raptechnisch bekommt man hier das Beste vom Besten, so wäre es glatt falsch. Denn auch wenn man mit 2Pac einen der Größten aller Zeiten hier findet, muss man über die Outlaw-Truppe ganz klar festhalten, dass es nur B-Liga Künstler sind und ihrem Frontmann nicht das Wasser reichen können. West Coast und 2Pac-Fans sollten unbedingt einmal reinhören und sich die Platte vielleicht auch zulegen, alle anderen verpassen nicht all zu viel.