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Stilübungen [Gebundene Ausgabe]

Raymond Queneau , Ludwig Harig , Eugen Helmlé
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

2004
Für diese im übrigen unveränderte Neuausgabe des artistischen Bestsellers hat Ludwig Harig ein Nachwort Auf dem pataphysischen Hochseil – Zur Übersetzung der ›Stilübungen‹ von Raymond Queneau geschrieben: »Im Jahr 1947 erschien Raymond Queneaus Exercices de Style bei Gallimard in Paris. Die Geschichte ihrer Übersetzung ins Deutsche, eng verknüpft mit dem experimentellen Aufbruch der Nachkriegspoesie, reicht in die fünfziger Jahre zurück. Von Kindheit an mehr spielals lernbesessen, neugierig auf waghalsige Versuche, mißtrauisch gegenüber bewährten Kunstwerken, war ich lüstern nach Neuem … Elisabeth Walther ermutigte mich mit einem Zitat von Francis Ponge: ›Nur die Literatur erlaubt, das große Spiel zu spielen: die Welt neu zu machen‹ –, und darauf hatte ich es mit meinem Freund Eugen Helmlé abgesehen. Risikofreudig, ja todesmutig, wie sich später einige Kritiker ausdrückten, machten wir uns an die Arbeit. Die Übersetzung der Exercices de Style war ein Drahtseilakt: Raymond Queneau turnte ihn uns vor, wie es einst nur Till Eulenspiegel zustande gebracht hat …«
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .


Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 158 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp; Auflage: 8 (2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518220535
  • ISBN-13: 978-3518220535
  • Größe und/oder Gewicht: 18,3 x 11,9 x 1,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 715.908 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Der Stil ist die Wirklichkeit. Angenommen, in einem Autobus der Linie S zur Hauptverkehrszeit beschimpfe ein junger Mann mit Hut einen älteren Herrn, setze sich dann auf einen freien Platz und tauche zwei Stunden später am Gare Saint-Lazare wieder auf, wo einer ihm sagt, sein Überzieher habe einen Knopf zu wenig...Für Raymond Queneau war das 1947 genug Material zum großen erkenntnistheoretischen Sprachspiel, und das öffentliche Verkehrsmittel wurde eine Welt in 108 Stilformen, Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft und Rätsel." (Basler Zeitung)

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
63 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Langer Hals, Kordel, Plattfüsse, Knopf. 3. Juni 1999
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
In einem Autobus der Linie S, zur Hauptverkehrszeit, begegnet der Erzähler einem jungen Mann, der einen Hut mit einer Kordel anstelle des Bandes trägt. Dieser beschuldigt einen anderen Fahrgast, im absichtlich auf die Füsse zu treten, setzt sich dann aber. Zwei Stunden später trifft der Erzähler diesen Mann vor der Gare St. Lazare, wo ihm ein Freund Ratschläge betreffend einen Knopf gibt.

Na und? Werden Sie jetzt fragen. Ist das vielleicht hohe Literatur? Das ist natürlich nicht der Fall, wäre es nicht, wäre da nicht ein merkwürdiges Détail: Queneau hat das Kunststück fertiggebracht, diese belanglose Anekdote noch 98 weitere Male zu erzählen, in jeweils anderem Stil, und dabei niemals langweilig zu werden. Ob er die Geschichte als Komödie in 3 Akten darstellt, als Sonett, als Haiku, kulinarisch, weiblich, reaktionär, gespenstisch, in Alexandrinern, im Jugendstil, als amtlichen Brief, unter Verwendung von Anglizismen, mit gänzlich neuen Wortkompositionen oder auch nur mit Interjektionen, immer ist das Resultat zum Schreien komisch, dabei aber gleichzeitig auch hintersinnig. Ein Vergnügen auf der ganzen Linie eben.

Die "Stilübungen" wurden aus dem Französischen übersetzt, aber die Natur des Buches macht eine wörtliche Übersetzung nahezu unmöglich. Daher empfehele ich allen, sich auch die Originalversion zu besorgen, denn auf Französisch ist die ganze Sache gleich nochmal so witzig. Für Leute, die kein Französisch können, ist allerdings die deutsche Ausgabe auch ein Genuss von der ersten bis zur letzten Seite.

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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine "Neuübersetzung" mit Überraschungen 31. Juli 2009
Format:Gebundene Ausgabe
Wenn steht, dass die Neuausgabe "im übrigen unverändert" sei, dann stimmt das nur bis zurück ins Jahr 1990. Davor galt nämlich die Version von 1961, die vom gleichen Übersetzungsduo stammte. Die Änderungen, die für diese Neuausgabe gemacht wurden, fallen allerdings nicht gross ins Gewicht. Und doch: jede dieser 99 Variationen ist mir derart ans Herz gewachsen, dass schon die kleinste Abweichung aufhorchen lässt. Vorweg: die aktuelle Ausgabe ist so gut wie die alte, die nun vermutlich ohnehin vergriffen ist. Aber wenn ich lese (in der alten Übersetzung): "Wir waren einige, die sich in Klumpen wegschafften" - und dann die neue Übersetzung zur Hand nehme, wo es sich so anhört: "Wir waren einige, die gemeinsam eine Fahrt machten" -, so verspüre ich einen Hauch mehr Sympathie für die erste Version. Die neue Übersetzung soll sich näher am Original bewegen, schreiben die Übersetzer in ihrem Nachwort. Das heisst allerdings nicht, dass sie deswegen auch origineller ist. Egal.
Interessant: aus dem Haiku (S und langer Hals / Fusstritt Schrei und Rückzug / Bahnhof Knopf Begegnung) wurde später das Tanka (Der Autobus kommt / ein Laffe mit Hut steigt ein / Ein Rempeln geschieht // Später vor Saint-Lazare / dreht es sich um einen Knopf). Seltsam kommt mir vor, dass einige Versionen in der neuen Übersetzung gar nicht vorkommen: Vollendete Vergangenheit, Weiblich ("Was für eine dämliche Bande!") und 2 Permutationen. Dafür tauchen in der neuen Übersetzung vier auf, die vorher noch nicht da waren: Mengenmathematisch, Definitionsgemäss, Translation und Lipogramm. Eigentlich ein Gewinn. So oder so.
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ...wo er Mensch ist, ...wo er spielt 26. April 2007
Format:Gebundene Ausgabe
Die Geschichte: ein Dandy im Pariser Omnibus und vor der Gare Saint-Lazare. Ein trivialer Vorfall in 99 Stilvariationen. Die Inspiration für das originelle Experiment, schreibt Raymond Queneau, 1903-76, war Bachs Kunst der Fuge.

Eine enzyklopädische Sammlung rhetorischer Stilübungen - das ist eigentlich keine sehr moderne Idee. Die Redner des klassischen Altertums hatten bereits ihre pädagogischen Progymnasmata, rhetorische "Athletik"; und Erasmus, wohl der vielseitigste Rhetoriker der Renaissance, gibt zweimal 200 stylistische Variationen eines jeweils sehr banalen Satzes in seinen rhetorischen Übungen, De copia, 1512. Das Moderne an den Queneauschen Stilübungen, 1947, ist das Fehlen einer methodisch pädagogischen Absicht, die ironische Distanz und eine radikal unbekümmerte Spielsucht. Ein klassischer Redner benutzte rhetorische Figuren, um den Affekt zu verstärken und dadurch politische oder gerichtliche Entscheidungen zu beeinflussen. Oder er stellte sein Sprachtalent und seine Gelehrsamkeit zur Schau. Der Eruditio huldigt sicher auch ein Queneau, aber dessen rhetorische Manipulationen erinnern eher an Experimente aus der Elementarphysik: Er lässt seine Partikel, die banale Geschichte und den sophistizierten Sprachstil, miteinander kollidieren und beobachtet kaltblütig das Kollisionsprodukt. Und wie mannigfaltig sind die Resultate! Witzig, energisch, unsinnig, verrückt, unglaublich langweilig, schlecht.

Queneaus größte Errungenschaft, die überraschende sprachliche Vielfalt, ist das Ergebnis einer einfachen, doch sehr radikalen Einsicht: Alles ist Sprache. Mathematik, Philosophie, Botanik, Zoologie, Musik, Medizin, werden von ihm als das benutzt, was sie in ihrem eigentlichen Wesen ja sind - Sprachen. Die Projektion von 99 rhetorischen Prototypen auf eine banale Geschichte variiert nicht nur den Charakter der Geschichte, zerstört die Illusion ihrer vermeintlichen Banalität, sondern wirft auch ein ironisches Licht auf die Prototypen selbst. Wenn der Vorfall im Omnibus zum Beispiel in einem philosophisch soziologischen Jargon erzählt wird, dann enthüllt sich dieser Jargon plötzlich vor unserem erstaunten Auge.

Manche Stilmittel, etwa die Ortographie und Phonetik betreffend, erscheinen als Parodie einer zu buchstäblichen Anwendung. Das Resultat ist chaotisch, sehr dadaistisch und erinnert an die sprachlichen Verrenkungen der Mozartschen Baesle Briefe oder auch an die "galumphierenden" Kofferworte in Lewis Carrolls Jabberwocky. Die dämonische Energie einer Ritualsprache. Eine dichterische Perfektion, wie man sie im Jabberwocky findet, fehlt jedoch bei Queneau. Wirklich künstlerischer Stil lässt sich nicht durch mechanistische Manipulationen erreichen. Doch poetische Perfektion ist natürlich nicht die Devise von experimentellen Übungen. Der magische Charme dieser Exercises de style ist ihr unbändiger Spieltrieb. Wir sind eingeladen mitzuspielen. "Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt." [Schiller]
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