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Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 10.02.2003
Schon Robert Gernhardt habe klargestellt, dass der Bezug auf die alten "ehrwürdigen" Formen keineswegs Stillstand bedeuten muss, führt Rolf-Bernhard Essig im Fall der Tübinger Dichterin Eva Christina Zeller an. Es komme vielmehr darauf an, ihnen neues Leben einzuflößen. Insofern kann Essig Zellers "Mut" nur begrüßen, die herkömmlichen lyrischen Formen und Motive aufzugreifen und fortzuführen. Es sind also die herkömmlichen Themen, die Zeller behandelt: Tod, Sterben, Erinnerung, Liebe, Natur. Am überzeugendsten findet Essig Zellers Naturbetrachtungen, zumal es der Autorin gelänge, die moderne Welt dahinein zu integrieren. Fein gewirkt seien die Verse, mit Assonanzen, Binnenreimen, Inversionen, alles was die Schule der Verskunst verlangt; manches kommt Essig dennoch zu glatt, zu hermetisch, zu "pathosschwer" daher. Die Autorin beweise viel "Einbildungskraft", resümiert Essig, diese hätte sie bloß noch etwas konsequenter und schärfer einsetzen müssen.
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Kurzbeschreibung
Die Szenerie ist vertraut: Die Kähne am Neckar, der Vater oben auf der Kanzel, die Amseln und Wespen, die Ameise und der Laptop - alles, was es gibt: beschrieben in einem hinreissenden Gedicht, das in seiner Exaktheit und Verweisungskraft an frühe Verse Ingeborg Bachmanns erinnert: so als sei sie langlange nach ihrem Tod zurückgekommen. Ein Hauch von Klagenfurt. Wirklich: vertraut? Die Nähe täuscht, die beschriebenen Dinge sind janusgesichtig, zum Greifen einladend, aber beim Zupacken weltenweit entfernt... Eva Christina Zellers Gedichte sind zarte, sinnliche und betörend vollkommene Gebilde, aber zu gleicher Zeit auch geistliche, spirituelle und sorgfältig durchdachte Beschwörungen einer unerkundeten Welt.