Man munkelt ja, dass Ingrid Noll eher Geschichten für Frauen schreibt, die auch besser von solchen gelesen werden sollten. Nun, ich kann das nicht so ganz nachvollziehen, muss aber geschehen, dass dies das erste (Hör-)Buch ist, dass ich von Ingrid Noll lese. Allerdings meine ich, dass auch wir Männer aus diesen netten bösartigen Geschichtchen durchaus noch etwas lernen können ;-)
Wie auch immer, bei jeder Kurzgeschichtensammlung hat man das Problem, dass einem nun mal nicht alle Geschichten gleich gut gefallen. Auch hier schwankt das Niveau der 5 Stories sehr stark, einzig die hervorragende Leserin (Ursula Illert) kann dann doch über alle beide CDs hinweg durchweg begeistern und hält konsequent ein hohes Niveau.
Jetzt aber zu den einzelnen Geschichten:
1. ein milder Stern herniederlacht: Erscheint mir insgesamt auch etwas zu bizarr und zu konstruiert, als dass es wirklich glaubwürdig wäre. Nichtsdestotrotz bietet die Geschichte doch einiges an Unterhaltung und ein zynisches Grinsen konnte ich mir am Schluss dann doch nicht verkneifen. 4 Sterne.
2. Stich für Stich: für mich eine ziemlich belanglose und langweilige Geschichte. Ich habe auch nicht so recht verstanden, wo da der Witz, die Pointe sein soll... Vielleicht muss ich sie mir einfach noch mal anhören :-) 1 Stern
3. die blaurote Luftmatratze: Ähnlich belanglos und uninteressant. Auch hier habe ich die Pointe am Schluss vermisst. Wenngleich diese Geschichte gegenüber der vorherigen doch insgesamt etwas mehr an Dramatik und Handlung bietet. 2 Sterne
4. Fishermans Friend: Endlich die Geschichte, auf die ich gewartet habe. Eine bitterböse, vor Sarkasmus und Schadenfreude nur so triefende Story, herrlich erzählt mit einem großartigen Schluss. Klasse. 5 Sterne
5. Der gelbe Macho: Lässt sich etwas schleppend und langatmig an, gerät dann aber recht gut in Fahrt, um dann als Pointe den Hörer voll gegen die Mauer fahren lässt. Großartig! 5 Sterne
FAZIT:
Wie bereits gesagt, sind die Geschichten sehr durchwachsen. Lediglich die letzten beiden konnten mich wirklich überzeugen und fesseln. Die übrigen drei dümpeln mehr oder weniger aufregend vor sich hin. Wie auch immer, die Leserin jedenfalls hat mir sehr gut gefallen, sie versteht es, professionell, die Dramaturgie der Kurzgeschichten wunderbar in Sprache und Stimmlage zu fangen - Klasse. Alles in allem sind dann aber doch nur 2 1/2 Sterne möglich, mit viel gutem Willen runde ich auf drei auf.