Ich bin doch sehr verwundert über die bisherigen Rezensionen zu diesem Album. Man sieht, die Geschmäcker sind sehr verschieden. Für mich ist "Steve Winwood" nicht nur das beste Album von Steve Winwood samt Traffic, Blind Faith und was auch immer noch. Es ist eines der Meisterwerke in 60 Jahren plus populäre Musik.
Jeder Ton hier macht Sinn und bewegt. Schon das erste Stück, Hold On, verführt mit seiner britzelenden Mischung aus Natur und Technik: glasklare, doch sound-tiefe Keyboards spielen einfach, aber tricky, oder umgekehrt, subtil verziert die rhythmische Gitarre, Percussion brodelt spannend. Alles auf diesem Albun ist von der Kunst geprägt, Raffiniertes einfach klingen zu lassen, mit Minimalismus Maximales zu erreichen. Time Is Running Out ist mitreißender weißer Funk, Kopf und Beine tanzen eng umschlungen. Midland Maniac ist eine wunderschöne, sehr musikalische Ballade mit überraschenden Wendungen.
Alles in allem ist das hier Natur-Musik, eine seltsame, eigenwillige Art von Folk vielleicht sogar, nur so dezent elektrisch wie phantasievoll. Und so geht es auf der zweiten Seite weiter, mit Vacant Chair und Luck's Inn. Lediglich der letzte Song Let Me Make Something In Your Life kann das hohe Niveau nicht ganz halten, hat aber auch seine Reize.
Die Stimmung auf diesem Album ist für mich so erfrischend, wie die Klarheit draußen nach einem Gewitter, es regnet noch, ein Regenbogen ist zu sehen, Wolken und leichte Sonnenstrahlen mischen sich, so wie das Leben nun mal ist. Ja nun, Winwood hat tatsächlich rockigere Alben produziert, aber keines mit so viel Energie, Spannung.
Auch nicht zuvor mit Traffic - nichts gegen klasse Alben wie John Barleycorn und The Low Spark - hat Steve Windwood eine derart schöne (dabei niemals gefällig/seicht) Musik geschaffen. Und danach schon mal gar nicht. Arc Of A Diver ist ein gutes Album, hat aber nicht die Tiefe von Steve Winwood, dem Album. Von den ärgerlichen Mainstream-Machwerken wie Back In The Highlife mal ganz zu schweigen. Und auch die jüngeren Alben - z.B. sehr bemüht, wie der ja zuletzt sehr erfolgreiche Santana zu klingen - kommen da nicht mit. Nine Lives ist nett, aber hier dies ist einfach DAS Album. Übrigens mit einem brillanten Sound.