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Anno 386 hatte Augustinus eine Erleuchtung. So jedenfalls kann es im 8. Kapitel seiner "Confessiones", "Bekehrung" genannt, nachgelesen werden. ""Nimm und lies, nimm und lies!"... ich stand auf und konnte es mir nicht anders erklären, als dass ich den göttlichen Befehl empfangen habe, die Schrift aufzuschlagen und die erste Stelle zu lesen, auf die meine Blicke träfen..." Er las und kaum hatte er "den Satz beendet, durchströmte mich das Licht der Gewissheit, und alle Schatten des Zweifels waren verschwunden." In Wahrheit breitet der spätere Kirchenvater hier wohl aber die Summe seiner Gedanken vor dem Leser aus. Solcherart Erleuchtungen, Schlüsselerlebnisse, Sternstunden nennt Otto A. Böhmer, Verfasser dieses Bändchens, "hausgemachte Visionen" oder stilisierte Visionen. Augustinus war nicht der einzige Philosoph, der sich dieser Stilisierung bediente.
Sternstunden der Philosophie versammelt Beiträge zu ganz unterschiedlichen Protagonisten der abendländischen Geistesgeschichte: Platon, Epikur, Descartes, Kant, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche, Ernst Bloch, Wittgenstein, Heidegger, Adorno, Fromm und Popper. Sie alle bedienen sich auf unterschiedliche Weise des Vehikels der Erweckung. Sie schafft die Legitimation für das eigene Werk. So "geht die Erzählung, Sokrates habe geträumt, er halte auf seinem Schoße das Junge von einem Schwan...; und tags darauf sei ihm Platon vorgeführt worden; da habe er gesagt, dies sei der Vogel". Bis in die Neuzeit bedienen sich Denker solcher Gleichnisse. Für Erich Fromm war der Anlass, sich "für die merkwürdigen und geheimnisvollen Ursachen menschlicher Reaktionen zu interessieren", ein Kindheitserlebnis. Er konnte nicht begreifen, warum eine von ihm vergötterte junge Frau Selbstmord beging, nachdem ihr Vater gestorben war.
Otto A. Böhmer gelingt es, den Leser in einem plaudernden, anekdotenreichen Ton einzustimmen auf die Ideen und das Werk großer Philosophen. Wer sich auch für "Sternstunden" anderer großer Persönlichkeiten interessiert, sollte sich die weiteren Bände der Reihe genauer ansehen, darunter Sternstunden der Literatur und Sternstunden der Geschichte. -- Mathias Voigt
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Während in jenen meist vielfältige übergreifende Informationen präsentiert werden (die Reihe aus dem Hause Beck scheint mir eben eher populärwissenschaftlich angelegt), orientiert sich der Autor stark am literarischen Vorbild von Stefan Zweig, an dessen Sternstunden ja vornehmlich die Atmosphäre und weniger die Faktizität der Begebenheiten gefallen.
So überzeugt denn Böhmer v.a. schriftstellerisch. Die Wortwahl ist ausdrucksstark, ja gepflegt, setzt manchmal auch eine gewisse sprachliche Kompetenz beim Leser voraus.
Wenn es rein um unterhaltsame Lektüre ginge, könnte man das Werk durchaus empfehlen.
Allerdings schadet gerade die gewählte "literarisierende" Form der Präsentation den eingestreuten, spärlichen Informationen und ist in sich selbst nicht konsistent:
Die "reguläre Ausgabe", aufgrund deren Untertitel "Erweckungserlebnisse..." die Wertung überhaupt "noch möglich" wurde, zeigt den beabsichtigten Ansatz. Es geht nicht um den philosophischen Gehalt, sondern wie die "Geisteshelden" ihre spezifische "Liebe zum Wissen" erworben haben. Dies gelingt nur im Vorwort anhand dreier kurzer Beispiele (Augustinus, Pascal, Feuerbach) einigermaßen überzeugend.
Ansonstens wird eben doch versucht, das Erwachen in die Biographie einzubetten und gleichzeitig den Kern der jeweiligen "Lehre" zu treffen.
An dieser Fusion scheitert der Autor letztlich. Denn für den an Lebensbildern Interessierten findet sich zu wenig Substanzielles, zudem werden nicht viel mehr als jeweils einige weitgehend inhaltsleere philosophische Schlagworte geboten, welche somit keinerlei Erkenntisgewinn verheißen.
Wer sich kurz und zugleich ausreichend fundiert über einige Philosophen und ihre wesentliche Thesen informieren will, sollte "Die philosophische Hintertreppe" wählen, selbst "Sofies Welt" fördert das Verständnis mehr!
Der Schriftsteller und Philosoph Niccolo Machiavelli war zunächst Politiker und wurde nach Verbüßung einer Gefängnisstrafe mit der Auflage des Berufsverbots als Politiker in die Verbannung geschickt. Das persönliche Unglück von Machiavelli sollte sich aber als Glück für die Geschichte der Philosophie erweisen. Machiavelli beginnt zu schreiben. Er denkt über die Politik nach und bringt seine Theorien zu Papier. In einer Zeit lebend, als Cesare Borgia das Land regierte, suchen seine Überlegungen nach den Qualitäten, die ein Herrscher haben muss, um für sein Land zu einem bestimmten Zeitpunkt gut zu sein. So kommt Machiavelli zu dem Ergebnis, dass die Grausamkeiten Borgia durchaus nützlich für die Romagna war und das Land geordnet und geeinigt hat.
Rene Decartes besaß vielseitige Talente. Seinen Lebensweg sollen drei aufeinander folgende Träumen fussen, die Decartes später „das Licht der wunderbaren Einsicht" nannte. Neben der Mathematik war es die Philosophie, die ihm viel zu verdanken hat. In seiner Abhandlung „Prinzipien der Philosophie" findet sich auch die Aussage: Ich denke, also bin ich."
Diesem decart'schen Gedanken setzt Arthur Schopenhauer entgegen: „Ich bin, wer ich bin." Sein Hauptwerk, „Die Welt als Wille und Vorstellung", war ein neues philosophisches System und wurde zu seiner Zeit kontrovers diskutiert.
Das Buch hat ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis. Am Ende findet der interessierte Leser ein nach den Kapiteln geordnetes weiterführendes Literaturverzeichnis. Neben einem kurzen Lebenslauf der vorgestellten Philosophen, werden deren Leitgedanken betrachtet und erläutert. Das Werk ist allgemeinverständlich und als schneller Quereinstieg, um sich einen Überblick zu verschaffen, geeignet.
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