Vermutlich einer bedingt anderen, einigen Titel (Kunst, Archäologie, Geschichte) der Sonderreihe geschuldeten Erwartungshaltung werden mehr als nur zwei Sterne gewährt.
Während in jenen meist vielfältige übergreifende Informationen präsentiert werden (die Reihe aus dem Hause Beck scheint mir eben eher populärwissenschaftlich angelegt), orientiert sich der Autor stark am literarischen Vorbild von Stefan Zweig, an dessen Sternstunden ja vornehmlich die Atmosphäre und weniger die Faktizität der Begebenheiten gefallen.
So überzeugt denn Böhmer v.a. schriftstellerisch. Die Wortwahl ist ausdrucksstark, ja gepflegt, setzt manchmal auch eine gewisse sprachliche Kompetenz beim Leser voraus.
Wenn es rein um unterhaltsame Lektüre ginge, könnte man das Werk durchaus empfehlen.
Allerdings schadet gerade die gewählte "literarisierende" Form der Präsentation den eingestreuten, spärlichen Informationen und ist in sich selbst nicht konsistent:
Die "reguläre Ausgabe", aufgrund deren Untertitel "Erweckungserlebnisse..." die Wertung überhaupt "noch möglich" wurde, zeigt den beabsichtigten Ansatz. Es geht nicht um den philosophischen Gehalt, sondern wie die "Geisteshelden" ihre spezifische "Liebe zum Wissen" erworben haben. Dies gelingt nur im Vorwort anhand dreier kurzer Beispiele (Augustinus, Pascal, Feuerbach) einigermaßen überzeugend.
Ansonstens wird eben doch versucht, das Erwachen in die Biographie einzubetten und gleichzeitig den Kern der jeweiligen "Lehre" zu treffen.
An dieser Fusion scheitert der Autor letztlich. Denn für den an Lebensbildern Interessierten findet sich zu wenig Substanzielles, zudem werden nicht viel mehr als jeweils einige weitgehend inhaltsleere philosophische Schlagworte geboten, welche somit keinerlei Erkenntisgewinn verheißen.
Wer sich kurz und zugleich ausreichend fundiert über einige Philosophen und ihre wesentliche Thesen informieren will, sollte "Die philosophische Hintertreppe" wählen, selbst "Sofies Welt" fördert das Verständnis mehr!