Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
44 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Existenzialismus light, 19. Januar 2008
Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, mir ein Buch von Rocko Schamoni zu kaufen. Genauso wenig wie von Udo Lindenberg oder Campino. Das war für mich bisher die gleiche Liga. Aber wenn es dir von einem lieben Menschen unter den Weihnachtsbaum gelegt wird, dann sollte man so offen sein und wenigstens mal reinschauen. Erst recht wenn der Titel des Buches literarisch schon sehr gelungen ist. Ach, was sage ich: der Titel ist mehr als gelungen - er ist genial. Und noch besser - er beschreibt genau das, was den Leser in diesem Buch erwartet. Das ganz normal bedeutungslose Leben eines abgebrochenen Kunststudenten, der alles sein will, nur nicht normal. Dann lieber gar nichts sein, ganz bewusst bedeutungslos. Das ist laut dem Protagonisten allemal besser, als in einer Scheinwelt zu leben. Das zu tun, was alle anderen tun. Dem Leben eine Bedeutung zu geben. Denn nichts hat Bedeutung, erst recht nicht das Leben.
Es hätte ein richtig existenzialistischer Roman werden können. Doch Schamoni steigt nicht tiefer ein in die Thematik, bleibt auf dieser spätpubertären "Weltschmerz-alles- ist-Scheiße-und-verlogen-Ebene" hängen und nimmt den Leser stattdessen lieber mit auf seine Kneipentouren und Streifzüge durch den Hamburger Kiez. Und so bleibt diese Geschichte wie die seines ebenfalls singenden Kollegen Sven Regener nur die eines liebenswürdigen Verlierers. Trotzdem mag ich Schamonis Romanhelden Sonntag, genauso wie auch Regeners Herrn Lehmann oder Tommy Jauds Vollidioten. Denn sie zeigen wie hoffnungslos es ist, sich dem gesellschaftlichen Bedeutungszwang zu entziehen. Und diese Erkenntnis hat keiner der ernsthaften Existenzialisten jemals so unterhaltsam und lesenwert zwischen zwei Buchdeckel gepackt, wie Schamoni es getan hat.
|
|
|
25 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
vom König der Überflüssigen, 11. Mai 2007
Michael Sonntag, der traurig-komische Held des Romans lebt in Hamburg und studiert Kunst. Ja, das Studium ist eigentlich nicht so wichtig.. Was ihm dort alles so wiederfährt, auf der Jagd nach Sinn, einem Auskommen und nicht zuletzt nach Liebe, erfahrt ihr in diesem Buch. Es ist ein teilweise unglaublich witziges Buch, durch treffende Situationsbeschreibungen und die bekannten Phrasen der Suffphilosophie, bei dem einem das Lachen aber auch manchmal im Halse stecken bleiben kann, denn hier äußert sich auch Kritik am täglichen Stumpfsinn, Eitelkeit und einer Gesellschaft, die das Unverbindliche auf ein sehr hohes Podest gestellt hat..Man kann das Buch auch so lesen..(unverbindlicher Hinweis ;) ) Ich finde, ein Buch dass sehr in den Bereich der Norddeutschen Großstädte (Hamburg, Berlin) passt. Wer mit "Fleisch ist mein Gemüse" und ähnlichen Büchern was anfangen konnte, der ist hier auf jeden Fall an der richtigen Adresse. Vorsicht, wenn man den Tag vielleicht noch was vorhat, man ist geneigt das Buch in einem Zug durchzulesen..
|
|
|
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Immer wieder Sonntag..., 13. Dezember 2007
Michael Sonntag, irgendwas zwischen 25 und 35, voll bis zum Rand mit narzisstischen Kränkungen, das eigene, vermeintliche Elend zelebrierend, vor dem Hintergrund seiner kleinbürgerlichen Sicherheit, der er partout versucht, auf die erdenklichste Weise zu entfliehen. Ein Kind seiner Zeit. Keine echten Werte. Kein echter Geschmack. Alles nur Kulisse, Unvermögen und Nabelschau. An dem, sehr oft, "faserigen" Horizont Restwerte eines bürgerlichen Kleinods. "Die Liebe fürs Leben", "Der gute Freund" usw., gepaart mit pubertären Allmachts- und Sexfantasien.
Auf knapp 250 Seiten zelebriert ein bourgoiser Bohemian seine eigene Bedeutungslosigkeit. Ob dies Sternstunden sind?
Die eine oder andere ist für den Leser sicherlich dabei. Wenn drei "erwachsene" Männer die Räumlichkeiten einer Supermarktkette illegal für ein Saufgelage nutzen hat das sehr viel Witz und ist in seiner armseligen Trostlosigkeit nicht nur unfreiwillig komisch.
Wenn man über die Dauer des Buches den "Pfahlmann" als ein Schreckgespenst, eine fleischgewordene Konsequenz des Versagens immer wieder trifft, dann hat auch das eine Bitterkeit und Unausweichlichkeit, die einen aus Verzweiflung die Tränen in die Augen treibt, auch weil man lachen muss.
Ein Zielloser nimmt den Leser huckepack und trägt ihn durch ein sinnfreies Leben.
Schamonis neuer Roman ist ein kurzweliger Ausflug in ein Leben, in dem sich viele Leser sicherlich an vielen Ecken selber wiederfinden.
Insgesamt fehlt dem Buch aber etwas ganz wichtiges, und das ist Aufrichtigkeit. Alles verschwimmt in einem lakonischen Brei aus "irgenwie witzig", "auch echt voll traurig" und "total toll". Humor ist eine ernste Sache und hier fehlt einfach der Ernst. Man kann die Gestrandeten nicht nur aus der Postion des lakonischen Schwaflers betrachten und sich an der unfreiwilligen Komik der eigenen, und der Leere anderer berauschen. Das ist letzlich zu wenig.
Natürlich ist ein Vergleich immer schwierig und auch nicht unbedingt zulässig. Aber in diesem Fall muss man "Fleich ist mein Gemüse" von Heinz "Heinzer" Strunk anführen. Auch hier wird die eigene Trostlosigkeit und Verzweiflung zelebriert. Jedoch mit Kompromisslosigkeit und Aufrichtigkeit. Bei Schamoni verkommt im Verlaufe des Buches alles zu einer grossen Spielweise für einen, der jederzeit die Spielwiese verlassen könnte, wenn er denn wollte. Ein kleinbürgerlicher, behüteter, eitler Fatzke, der mit allen Mitteln versucht seine Eltern in sich zu überwinden. Einen Vater der Fips Asmussen für Humor, und eine Mutter, die Kohlrouladen für Nahrung hält.
Willkommen im Nichts.
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|