Die jüngere deutsche Geschichte wurde in den Jahren 1989 und 1990 nachhaltig geprägt. Während die DDR politisch und wirtschaftlich weitgehend fremdbestimmt durch die Sowjetunion war, konnte sich die BRD unter der Protektion der westlichen Siegermächte des zweiten Weltkrieges blühend entwickeln. Die Deutschen in Ost und West entwickelten sich unterschiedlich. Während im Westen riesige Mengen an Privatvermögen angehäuft wurden, konnte der DDR-Bürger nur in seinen bescheidenen Verhältnissen leben. Er hatte die Entwicklung im Westen jedoch immer durch Radio und Fernsehen vor Augen. Es brodelte in der DDR des Jahres 1989. Viele wollten in den „goldenen Westen“ und nutzten die Öffnung des eisernen Vorhangs in Ungarn um dorthin zu gelangen. Allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 1989 waren 46.000 Menschen legal ausgereist. Bis Ende September flohen weitere 40.000 DDR-Bürger über Ungarn. Die DDR-Regierung unter Honecker, welche sich ihre eigene kleine, feine Welt in Wandlitz geschaffen hatte, schaute entsetzt nach Moskau und wartete auf Hilfe. Doch dort saß zu dieser Zeit Michael Gorbatschow im Kreml und wollte die sozialistische Welt einschließlich der DDR verändern. Er predigte Glasnost und Perestroika und dazu passte gar nicht, etwa mit Gewalt, wie in China, die Ostdeutschen zurückzudrängen. In Ostberlin nutzten Krenz und Schabowski Honeckers Hilflosigkeit aus um gegen ihn zu opponieren und ihn zu demontieren. Krenz war jetzt der neue SED-Chef und reiste zu seinem Antrittsbesuch nach Moskau. Dort offerierte er Gorbatschow, die DDR werde Ende 1989 mit 26,5 Milliarden Dollar an den Westen verschuldet sein. Allein die Zinszahlungen beliefen sich auf 4,5 Milliarden Dollar, was 62 Prozent des jährlichen Exporterlöses der DDR ausmachte. Die DDR war faktisch pleite.
Während sich die neue ostdeutsche Führung auf die ZK-Tagung vorbereitete, auf der sie einen Reformkurs verkünden wollte, strömten die Menschen auf die Straße um ihrem angestauten Unmut Luft zu machen. Auf der 10. ZK-Tagung wurde das gesamte Politbüro neu gewählt und Hans Modrow stieg an die Spitze der Partei auf. Die neue Regierung sah sich unversehens mit der immer noch anhaltenden Ausreisewelle konfrontiert und gab ein neues Reisegesetz in Auftrag. Dieses sollte Schabowski am 10. November 1989 in einer Pressekonferenz verkünden, übersah jedoch den Schlusssatz, wonach die neue Reiseregelung erst am nächsten Tag, nach genauer Instruktion der Sicherheitskräfte, bekannt gegeben werden sollte. Jedem sollten Privatreisen ins Ausland erlaubt werden und die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt. Auf die Frage eines Journalisten, wann diese Regelung in Kraft tritt, antwortete er, sofort, unverzüglich. Dann fuhr er nach Hause. Es war kurz nach 19.00 Uhr. In den nächsten Stunden versammelten sich Tausende Ostdeutsche an den Berliner Grenzübergängen um sich nach den neuen Regelungen zu erkundigen. Die Soldaten wussten nichts. Schließlich gaben die Offiziere vor Ort dem Druck nach und den Weg nach Westberlin frei. Die Wahrheit ist, dass die Öffnung der Berliner Mauer durch den Irrtum Schabowskis zustande kam. Für das kommunistische System war sie jedoch der Todesstoß.
Die nun folgende Unsicherheit in Ost und West nutzte einer, der ein untrügliches Gespür für die Menschen auf der Straße hatte, Helmut Kohl. Er hatte die Wiedervereinigung Deutschlands immer vor Augen und setzte nun alles daran diese voran zu treiben. Er setzte sich mit Hilfe der amerikanischen Bush-Administration gegen alle Warnungen und Proteste, vor allem aus England, Frankreich und Polen durch und handelte mit Gorbatschow und Modrow die Eingliederung der DDR in die BRD aus.
Condoleezza Rice und Philip Zelikow, seinerzeit beide in die amerikanische Bush-Regierung integriert, schildern, mit viel Liebe zum Detail, die Hintergründe und Geschehnisse zwischen 1989 und 1990. Sie entwarfen mit ihrem Buch ein Standardwerk zum Verständnis der Weltpolitik jener Tage.