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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die erbarmungslose Kraft einer Vision, 3. Mai 2002
Faszinierend, wie sich die verschiedenen Erzählstränge der Geschichte immer wieder zu einem Ganzen zusammenfügen. Die sprachliche Qualität des Autoren reißt beeindruckend mit und doch lässt einen die beschauliche Langsamkeit gut an den Erlebnissen des Sklavinnensohnes Raschid-al-Kenzy teilhaben. Seine Gedankenwelt, sein Leid, aber auch seine Visionen werden spürbar. Irgendwie will man den Auftrag gemeinsam mit ihm schaffen. Seine Anspannung geht auf einen über und man fühlt sich fast schon selbst als Handelnder und Visionär dieser Geschichte, obwohl man längst weiß, wie letztlich alles ausgegangen ist. Der Sprung in die Neuzeit geschieht zwar eher unwillig und ganz langsam. Nachvollziehbar taucht man wieder in das Heute mit unseren aktuellen Erkenntnissen ein. Das Glossar am Ende des ausgezeichneten historischen Romans versorgt einen mit knappen interessanten Erläuterungen und Informationen zu historischen Persönlichkeiten. © Uli Geißler, Spiel- und Kulturpädagoge
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Unterhaltungsroman mit Tiefgang, 7. Oktober 2002
Der Roman spielt im 17. Jahrhundert und in der Jetztzeit; auch wenn der eine Erzählstrang seinen Ausgang in Algier nimmt, ist doch der Ort der Haupthandlung Dänemark; folgt man den geographischen Angaben im Buch muß der Handlungsort unweit des Ringkøbing Fjords liegen.Ein Erzählstrang setzt im Jahre 1609 ein (das Teleskop wurde gerade in Europa erfunden & Shakespeare hat vor ein paar Jahren seinen ‚Hamlet' geschrieben), das Zeitalter der Aufklärung ist also noch fern (es wird noch über einhundert Jahre dauern bis Kant dazu aufruft, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen) ist dies doch ein Roman der Aufklärung, der sehr anschaulich beschreibt, wie Menschen davon abgehalten werden, sich ihres Verstandes zu bedienen und welche Furcht auch die Gelehrten bei dem Gedanken befiel, selbstgewählte Unmündigkeit aufzugeben. Deutlich wird dies auch, wenn man sich vergegenwärtigt, daß Aufklärung im Englischen "Age of Enlightment" und im Französischen "Siècle des lumières" heißt. Vielfältig sind die Anspielungen im Buch auf Licht & Wärme, so heißt einer der fiktiven Handlungsorte z.B. „Helioborg" (Schloß der Sonne), was Raschid al-Kenzy, Sohn einer nubischen Sklavin angesichts der Kälte und Dunkelheit des dänischen Winters überhaupt nicht komisch vorkommt. Neben den astronomischen und geschichtlichen Details, bei denen das gut aufbereitete Glossar wertvolle Hilfe leistet ist, bewegt Jamal Mahjoub immer wieder die Frage, was Menschen Menschen aus Dummheit und/oder religiösem Eifer antun; so z. B: auf Seite 71: "Steht nicht geschrieben, daß der niedrigste Mensch dem vornehmsten gleich sei. Daß der Glaube jedes Menschen eine Sache zwischen ihm und seinem Schöpfer ist? Doch solche Einwände sind nur ein schwacher Schutz gegen die Schwerter und Speere der Glaubenseiferer, die mit Sicherheit kommen werden, hierher ins Tal der Träumer, wie es dann schließlich auch geschah." (Und ich glaube es ist nicht zu weit hergeholt, hier an Goyas "Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer" zu denken.) Nicht nur weil Mahjoub auf die wieder stärker ins Licht drängende Fremdenfeindlichkeit in Dänemark (wobei Dänemark hier durchaus als Stellvertreter begriffen werden darf) anspielt, stellt er in unterschiedlichen Nuancen immer wieder die Frage: Was ist aus den Prinzipien der Aufklärung geworden? Nebenbei weist der Autor dezent darauf hin, daß die Aufklärung durchaus Wurzeln außerhalb Europas hat.
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3.0 von 5 Sternen
Zerfledderte Handlung, 20. Oktober 2009
Ich kann die durchgehend positive Meinung meiner Vorgänger nicht teilen, denn mir scheint das Buch viele stilistische Mängel aufzuweisen, die ein flüssiges und angenehmes Lesen künstlich erschweren. Die Idee von zwei Protagonisten, einen in der Jetztzeit und einen in der Vergangenheit, ist grundsätzlich gut und interessant. Aber während sich Raschid als Person langsam abbildet und vertraut wird, konnte ich mit der Person Hassan absolut nichts anfangen. Es wurde schlichtweg zuwenig über ihn gesagt, er kommt einfach zu kurz. Am Ende bleiben viele offene Fragen und das Rätsel, was hat er eigentlich bei der Ausgrabung gemacht? Ist die latente Ausländerfeindlichkeit im heutigen Dänemark durch die parallel verlaufenden Handlungsstränge wirklich vergleichbar mit Aberglaube und Unwissen in der Zeit vor der Aufklärung? Das erscheint mir doch sehr unwahrscheinlich. Auch sind die vermeintlichen ausländerfeindlichen Aspekte in der Gegenwart viel zu wenig ausgeführt, als dass sie überzeugen würden.
Betrachtet man dagegen die Haupthandlung um Raschid, so fand ich den Plot im Großen und Ganzen sehr ansprechend und historisch aufschlussreich, man kann da wirklich was lernen und für sich selbst mitnehmen. Aber auch hier gilt das Gleiche wie schon gesagt: Warum müssen die verschiedenen Kapitel so künstlich ineinander verschachtelt werden, was spricht da gegen eine lineare Erzählung? Auf mich wirkt das einfach nun künstlich verkompliziert. Da lobe ich mir doch Tolkiens Herr der Ringe, wo auch die Handlungen ineinandergreifen und verschiedene Personengruppen auf verschiedenen Wegen unterwegs sind, ohne dass der Leser sich da anstrengen müsste, um den Überblick zu bewahren.
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