In der Zukunft lebt ein Großteil der Menschheit auf Grund des Klimawandels und vergangener Umweltkatastrophen unter einer großen Glaskuppel. Die Menschen sind zusammengerückt und leben in Frieden auf dem beengten Raum. Nach Jahren, die von Katastrophen und Kriegen geprägt waren, hat man auf der Erde fünf vor zwölf die Notbremse gezogen und überlebt!
Ganz anders sieht es jedoch auf dem Planeten Loduun aus, wo ein schrecklicher Krieg herrscht und viele Bewohner zur Flucht gezwungen sind.
Mia engagiert sich ehrenamtlich in einem der irdischen Flüchtlingshäuser und lernt dort neben vielen liebenswerten loduunischen Kindern auch Iason kennen, in den sie sich verliebt. Die Liebe der beiden steht jedoch unter keinem guten Stern, denn allen Loduunern ist es vorherbestimmt zu sterben, sobald sie den Lebenssinn erfüllt haben, der ihnen mitgegeben wird.
Eigene Meinung:
Obwohl "Sternenschimmer" in der Zukunft spielt, kann man sich auf Grund des jugendlichen und zeitgemäßen Schreibstils der Autorin hervorragend in die Geschichte und die Hauptfigur Mia hineinversetzen. Die Ich-Erzählerin Mia wächst einem beim Lesen sehr schnell ans Herz, denn mit ihren ganz normalen Problemen, mit denen sich ein Teenager ihres Alters herumschlagen muss, kommt es einem so vor, als wäre Mia ein nettes Mädchen aus der eigenen Nachbarschaft und nicht ein Charakter aus der fernen Zukunft. Außerdem hat sich Kim Winter keine völlig überzogenen oder unrealistisch wirkenden Visionen ausgedacht, sondern schildert die Welt in der Zukunft so, wie man sie sich auf Grund der heutigen Entwicklungen sehr gut vorstellen kann: der Lebensraum ist knapp, der Großteil der Menschheit lebt unter einer Kuppel, die vor schädlicher UV-Strahlung schützt und die Außengebiete können nur stundenweise besucht werden, da diese sich nur langsam regenerieren und man sich dort deshalb immer noch gesundheitsschädlichen Umwelteinflüssen aussetzt. Darüber hinaus sprechen alle Menschen nur noch eine Sprache, da es auf Grund des Zusammenschlusses der restlichen Erdbewohner und einer schnellen gegenseitigen Hilfe sinnvoll war, um sich besser verständigen zu können. Die alten Sprachen werden nur noch in der Schule unterrichtet, damit sie nicht völlig in Vergessenheit geraten.
Wenngleich in "Sternenschimmer" viele Thematiken von Integration, unterschiedlichen Kulturen über Umweltkatastrophen bis hin zu vegetarischer Ernährung angesprochen werden, schafft es die Autorin nichts oberflächlich erscheinen zu lassen oder unpassend im Zusammenhang. Die einzelnen Themen sind schlüssig in die Handlung integriert und verleihen der Geschichte Tiefe und Facettenreichtum.
Neben Mia werden auch alle anderen Figuren der Geschichte sehr echt und lebendig dargestellt. Besonders die loduunischen Kinder wachsen einem beim Lesen schnell ans Herz und mit ihren berührenden Darstellungen von Freundschaften und Liebe schafft es die Autorin dann und wann dem Leser ein Tränchen in die Augen zu treiben. Dabei gibt es aber nicht nur was fürs Herz, auch Streit und Vertrauensverlust werden zwischen Mia und ihren besten Freundin oder Mia und ihrer alleinerziehenden Mutter behandelt. Neben den gefühlvollen zwischenmenschlichen Episoden sorgen andere Handlungsstränge für atemberaubende Spannung, so dass man zu jedem Zeitpunkt der Geschichte auf die eine oder andere Weise gefesselt ist.
Ein ganz spezielles Highlight hat Kim Winter für mich mit der besonderen Eigenschaft kreiert, die sie den Loduunern auf den Leib geschrieben hat: obwohl sie sich äußerlich kaum von uns unterscheiden, so werden sie im Gegensatz zu uns mit einem Sinn geboren, nach dessen Erfüllung sie sterben. Dieser Aspekt regte mich während der Geschichte häufig zum Nachdenken an, nicht nur, weil es so aussieht, dass Iasons Sinn eine erfüllte Liebe zwischen ihm und Mia wohl nie erlauben wird und ich trotzdem die ganze Zeit die Hoffnung hegte, dass es anders kommen wird. Einerseits ist es eine wunderschöne Idee, dass das Leben von jedem Einzelnen einen ganz besonderen Sinn hat, aber andererseits stimmt es traurig, dass man nach seiner Sinnerfüllung aus dem Leben scheiden muss. Zwar gibt es Sinne, die ein Leben lang erfüllt werden können, wie andere Leute glücklich zu machen, aber einen Sinn wie Kinder auf die Welt zu bringen, fand ich eher traurig, weil der Sinn nicht aus einem selbst kommt und mir eher wie ein Zweck als wie ein Lebenssinn vorkam, anders wäre es gewesen, wenn es geheißen hätte, der Sinn wäre den Kindern immer eine gute Mutter zu sein.
Die Geschichte war für mich zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar und bot gerade in der zweiten Hälfte einige überraschende Wendungen und Entwicklungen, die einen ungeduldig auf die Fortsetzung warten lassen. Ehrlich gesagt, kann ich mir nach der Fülle von Eindrücken in "Sternenschimmer" noch nicht vorstellen, worum es im Folgeband vorrangig gehen wird.
Aufmachung des Buches:
Die wunderschöne Umschlaggestaltung - die von Maria-Franziska Löhr stammt - greift die beschriebene Schutzkuppel und das besondere Erscheinungsbild der Stadt auf, in der Mia lebt: angepasst an den kuppelförmigen Schutz, stehen in der Stadtmitte die höchsten Häuser, zu den Randgebieten hin werden die Häuser und Bauten immer niedriger. Der Umschlag ist matt, nur der Titel, der aus lauter kleinen Sternchen besteht, hebt sich leicht schimmernd vom Rest des Papiers ab, passend dazu schimmern auch der Leineneinband und die Vorsatzseiten des Buches ganz leicht. Zu Beginn jeden Kapitels sind im Buchinneren noch kleine zartgraue Illustrationen abgebildet.
Das Buch ist in die drei Teile "Irgendwann im Frühling", "Der folgende Sommer" und "Goldener Herbst" untergliedert, die Kapitel sind fortlaufend nummeriert.
Wünschenswert wäre eine erkennbare Kennzeichnung als erster Band einer Trilogie gewesen, da der Leser so eigentlich nur auf Grund eines nicht komplett abgeschlossenen Endes erahnen kann, dass es zu "Sternenschimmer" eine Fortsetzung geben wird.
Fazit:
Ein wunderschöner Debütroman in einer zeitgemäßen und fesselnden Sprache, welche die Seiten beim Lesen nur so an einem vorüberfliegen lässt. Dazu kommen frische unverbrauchte Ideen und inhaltlich ist von der ersten großen Liebe, über atemberaubende Spannung bis hin zum Aufgreifen von aktuellen Umweltproblemen alles dabei, was das Buch zu einem wahren Pageturner macht.