Phantasy ist meine Lieblingsliteratur und langsam hab ich glaub alle Reihen gelesen *lach*. Diese Sternenkronen-Reihe ist etwas vom Besten, was mir jemals untergekommen ist. Vergleichbar mit keiner anderen Phantasy-Geschichte.
Ich gestehe, mein Favorit bleibt Raymond E. Feist. Seine Midkemiareihen sind einfach ungeschlagen. Und an die Leichtigkeit und humorige Unterhaltung von Salvatores unkaputtbarer Drizzt-Truppe kommt die Sternenkrone auch nicht ran. Aber das will sie ja auch gar nicht.
Das für mich Auffälligste an der Sternenkrone war: Ich habe noch niemals derartig realistische Phantasy gelesen. Die Figuren kommen sowas von deutlich rüber, dass man meint, sie direkt berühren oder gar riechen zu können.
Zugeben muss ich, dass die Autorin in ihren Beschreibungen der Umgebung etwas zu ausführlich ist für meinen Geschmack. Aber wie im Herr der Ringe - durch den ich mich deswegen regelrecht durchkämpfen musste - artet es längst nicht aus.
Diese Reihe gehört bei mir zu denen, die mehrfach gelesen werden. Und wenn man die Geschichte schon kennt und das Ganze nicht mehr so unerträglich spannend ist, hat man sicher auch die Muse, sich die Umgebungsbeschreibungen gemütlicher reinzuziehen. Und ganz sicher tragen diese dann noch mehr zur Atmosphäre bei.
Während der Lektüre war ich gefesselt, gebannt, verzaubert. Ich konnte mich jeweils kaum losreissen und musste immer noch ganz dringend wissen, was als nächstes geschieht.
Niemals hab ich authentischere Figuren in einem Phantasyroman erlebt. Und ' siehe und staune ' die Geschichte und die Art ihrer Erzählung sind tatsächlich neu. Nicht die hunderttausendsten Helden, die ausziehen, um auf einer langen Reise die Welt zu retten. Obwohl doch alles vorkommt: Helden, Reisen, Weltrettung.
Wer mal andere Phantasy lesen und dabei doch nichts des Gewohnten vermissen möchte, ist mit dieser Reihe mehr als gut bedient.
Fremdrassen sind ebenso dabei wie Magie und kämpferisches Heldentum. Die mittelalterliche Welt wurde bis ins Detail recherchiert und nahegehend beschrieben. Es ist unsere Welt und doch eine andere.
Die Figuren aus diesem Buch werde ich wohl nie wieder vergessen. So nahe gingen sie und ihre Erfahrungen mir.
Über den Schluss (Band 10) kann man geteilter Meinung sein. Nach einem furiosen Höhepunkt, bleibt man etwas wie der Fisch auf dem Trockenen zurück. Vielleicht hätte man gerne noch gewusst, ob Liath zurück zu ihrem Prinzen fand, was mit Hannah geschah und Sorgatani, ob Hugh überlebt hat, was Ex-Bischöfin und Todeszauberin Antonia noch alles anstellen wird, was mit den drei Schwestern des Prinzen geschieht, wie es mit Ivar und der gefangenen Bischöfin weitergeht, ob Gnade wieder erwacht, ob der erstaunliche Aikha-Prinz weiterhin die eroberten Länder halten kann, ob nun Friede sein kann zwischen Qumanern und Wendar, etc. etc. etc. Einzig von Alain wissen wir am Ende, wo er ist und wie es ihm geht. Die anderen werden sozusagen alle auf dem Höhepunkt entlassen.
Das muss so aber nicht falsch sein. Denn lesen wir nicht Phantasy, weil wir Fantasie lieben? Man kann sich selbst ausrechnen, was mit den einzelnen Figuren weiterhin geschieht.
Trotzdem würde ich es lieben, wenn die Autorin irgendwann doch noch eine Fortsetzung schreibt.
Die Beschreibung der Sternkonstellationen hat mir als Hobbyastronomin sehr gefallen. Obwohl die Bilder natürlich anders heissen, hab ich sie anhand ihrer genauen Beschreibung erkannt. Man muss aber kein Astronom sein, um die Geschichte zu verstehen ;-)
Dasselbe trifft auf die Geografie zu. Wenn man eine gute Allgemeinbildung hat, die sich auch geschichtlich etwas rückwärts dehnt, und sich die Länder zurechtdreht, kann man darin gut Europa erkennen und die heutige Einteilung in Länder. Die Ungrianer sind zB Ungarn und Österreich. Das geheimnisvolle, magisch versteckte Dorf der zauberischen Mathematiki lag eindeutig in den Alpen. Die verräterische Frau des wendischen Königs, ist sowas ein weibliches Pendant zu Julius Cäsar, etc. etc. etc.
Ebenfalls sehr interessant war in dem Buch der Umgang mit Religion, Glaube und Magie. Einerseits scheint es die Christen und eine extrem ähnliche Kultur zu geben, auch wenn sie und der Kultgeber anders heissen. Andererseits, ist eine Frau Skopos und nicht ein Mann Papst. Frauen werden in dieser Variante des Glaubens nicht für minderwertig gehalten.
Es existieren auch noch die alten Götter, die ahnungsweise hin und wieder mal auftauchen, um ins Geschehen einzugreifen.
Ok, ich brems mich jetzt nicht, sonst wird das hier zu lang.
Ich wollte nur eine gute Kritik publizieren, weil ich der Meinung bin, dass dieses Werk hier vollkommen verkannt wird. Für mich gehört es zum Besten, was die Gattung Phantasy-Litereratur zu bieten hat.
Einen einzigen Minuspunkt habe ich: Dass die Bände 2 + 5 nur noch im Doppelpack erhältlich sind, was einen dazu zwingt, zwei Bücher in einem zu kaufen, nämlich 1+2 sowie 5+6, ist eine Schande. Die Bücher sind damit so dick und schwer, dass Leute, die wie ich gern einhändig lesen, beinahe eine Sehnenscheidenentzündung bekommen. Vermutlich werd ich mir die Bände 1-6 im Antiquariat besorgen, damit ein Wiederlesen entspannter wird.
Also Leute, wenn ihr spezielle Phantasie sucht, gibts nur eins: Kaufen! Viel Spass :-)