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"Stephen Baxters Werk zählt zum Besten, was die Science Fiction je hervorgebracht hat. Er ist der legitime Erbe von Isaac Asimov und Robert A. Heinlein."
The Guardian
Zuerst die Handlung: Seit 20.000 Jahren herrscht Krieg zwischen der Menschheit und den Xeelee (!), die sich ins chaotische Zentrum der Galaxis zurückgezogen haben. Niemand weiß mehr, warum und wofür man eigentlich kämpft, der Krieg ist zum Selbst- und zum Existenzzweck geworden, der eine Menschheit zusammenschweißt, die die Bindung zur Urheimat längst verloren hat. Wer gegen die herrschenden Doktrinen verstößt, wird hart bestraft. So ergeht es dem jungen Piloten Pirius, der seinem früheren Ich begegnet, woraufhin beide an verschiedenen Schauplätzen die phantastischsten Abenteuer zu erleben haben und Dinge entdecken, die sie nicht für möglich gehalten hätten. Von ihrem Mentor Nilis geführt, werden sie zum Schlüssel zur Beendigung eines sinnlosen Krieges, an dessen Ende Entdeckungen stehen, die selbst ein Nilis sich niemals hätte träumen lassen.
Ein neuer Baxter war schon immer etwas Besonderes. Der Brite schafft es immer wieder, die inzwischen hoch gesteckten Erwartungen noch zu übertreffen - von gelegentlichen "Enttäuschungen" einmal abgesehen, wobei selbst diese noch über dem Durchschnitt moderner SF liegen. In der "Sternenkindern", der gleich mit einem bei Baxter nicht gerade üblichen, rasanten Action-Einstieg überrascht, schlägt er eine Brücke zu seinem "Xeelee"-Zyklus, mit dem er seinen Ruhm als Autor in den frühen 90er Jahren begründete, um diesen mit anderen Ideen zu kombinieren, die er im Lauf seines Schaffens entwickelt hat. In "Sternenkinder" findet der Zyklus gleichzeitig seinen unerwarteten, in der Konsequenz fast schockierenden Abschluss und stößt gleichzeitig die Tür zu weiteren Fragen weit auf. Wer, wie ich, vom Vorgänger "Orden" enttäuscht war, der findet hier seine volle Entschädigung.
Sicher gibt es auch hier wieder einige Längen, z.B. zu Anfang des zweiten Kapitels, doch wer Baxter kennt, weiß, dass die wissenschaftlichen Unterlegungen und Erklärungen, zumal in gute Dialoge und Charakterschilderungen verpackt, zum Verständnis des grandiosen Finales nötig sind. Alle fünfzig Seiten erlebt man eine neue Überraschung, Baxter schickt seine Leser auf eine kosmische Achterbahnfahrt, und immer wenn man glaubt, dass nun "nichts mehr ginge", öffnet sich die Tür zu einer neuen Wahrheit ...
Fazit: Stephen Baxter wird oft mit Heinlein und Asimov verglichen. Spätestens jetzt ist das kaum noch zulässig. Er ist besser. Isaac Asimovs Roboter- und Foundation-Romane waren für die 50er Jahre vielleicht das Non-Plus-Ultra der Science-Fiction, aber inzwischen ist ein halbes Jahrhundert vergangen. Stephen Baxter ist DER Hard-SF-Autor des neuen Jahrtausends. Wenn es einen gibt, mit dessen visionärer Kraft er zu vergleichen ist, dann ist das Arthur C. Clarke - und nicht umsonst bilden die beiden seit Jahren ein Autorengespann. - Kaufen, lesen, und einfach nur überraschen lassen!
Aber nicht dieser (einfache) Handlungsstrang macht den Reiz des Buches aus. Gleichsam parallel wird die Entstehungsgeschichte des Universums beschrieben und durch diesen parallelen Strang der Geschichte wird wiederum einiges verdeutlicht, was im Hauptstrang passiert. Ähnliches, wenn auch ausgeprägter, hat Baxter ja schon in "Der Orden" vorexerziert.
Große Teile des Romans kann man trotz Schlachtengetümmel als Antikriegsroman bezeichnen, da er die Sinnlosigkeit und Verlogenheit des Krieges anprangert. Auch das Thema Kadavergehorsam versus Eigeninitiative nimmt einen breiten Rahmen im Werk ein. Und ein politischer Roman ist es letztlich auch, wird doch die Verlogenheit von Politikern (bei denen die Regeln für das gemeine Volk natürlich nicht gelten und denen Machkämpfe wichtiger sind als Inhalte) sehr pointiert dargestellt.
Eigentlich kann man gar nicht genau sagen, was alles in dem Roman gefällt. Obwohl es eigentlich keinen vernünftigen Spannungsbogen gibt, weil alles in der Haupthandlung doch ziemlich vorhersehbar ist baut sich trotzdem eine solche Spannung auf, das man das Buch kaum aus der Hand legen mag. Und das, obwohl man aus anderen Romanen ja schon weiß, das letztlich alles, was die Menschheit in diesem Roman unternimmt, auf lange Sicht völlig sinnlos ist.
Einzig die menschlichen Schwarmgemeinschaften erscheinen lediglich in einem so untergeordneten Rahmen, das man sich fragt, warum Baxter diese in "Der Orden" so detailliert eingeführt hat.
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