Nach Rebecca Rymans „Wer Liebe verspricht“ (unbedingt mal ausprobieren!) hatte ich etwas ähnliches gesucht: einen Roman der in der exotischen Welt Indiens, Indonesiens oder des fernen Ostens spielt, spannend und möglichst inklusive einer mitreißenden Lovestory.
Mit einem ansprechendem Cover hat „Sternenhimmel über Malaysia“ gelockt, aber leider nicht ganz die gewünschte Wirkung erzielt: dieses in einem Buch ertrinken wollen, nicht mehr daraus auftauchen mögen, weil die Welt darin einen völlig fasziniert und gefangen nimmt.
Dafür ist das Buch - zumindest meiner Meinung nach - einfach ein kleines bißchen verunglückt, obwohl die „Zutaten“ so viel versprechen: eine junge Frau, die herausgerissen aus ihrem bisherigen Leben (der Vater beging Selbstmord nach dem Ruin) zu bisher verschwiegenen Verwandten reist, die am anderen Ende der Welt leben: in der exotischen fernen Welt Malaysias. Die Verwandtschaft entpuppt sich als nicht eben der große Treffer: eine verbitterte Tante und ein despotischer, grausamer Onkel, eine richtig fiese Pocke, nebst zweier Töchter – die eine zu verschüchtert, die andere Papas Ebenbild.
Das was der ganzen Sache den Kick gibt bzw. richtig geben könnte ist ihre Begegnung mit Sandokans Piraten, unter ihnen dieser geheimnisvolle Fremde: halb Franzose, halb Japaner, der sich meistens durch seinen unglaublichen Stolz und seiner Arroganz selbst im Weg ist...
Ähnlich wie bei Sara Donati, wo "Der letzte Mohikaner" der Pate der Geschichte war, hat Marion Nikola wohl die 1970ger Serie um Sandokan als Ausgangspunkt genommen und die Geschichte zu einem späteren Zeitpunkt weitergeführt bzw. mit eingeflochten.
Da ist ja auch Potential drin: Abenteuer und Drama und Liebe und, und, und. Ist ja auch alles drin und trotzdem ist es zu einem nicht ganz ausgegorenem Mix geraten zwischen Schwulst und Brutalität (für meinen Geschmack eine ungesunde Anzahl an Vergewaltigungen).
Die Charaktere schaffen es nicht immer dreidimensional zu wirken, was unter anderem an der zu häufigen Wiederholung ihrer Vorzüge oder Schattenseiten liegt. Reine Beschreibung macht noch keinen Charakter lebendig, da fehlt zum Teil die Aktion, um den Figuren Tiefe zu geben und die Beschreibung mit Substanz zu füllen. Sie sind nicht grundsätzlich flach und schemenhaft, aber sie schrammen gefährlich oft am Klischee vorbei und das schmälert das Vergnügen.
Der Verlauf der Handlung ist an sich richtig spannend, aber die Art und Weise WIE es geschrieben ist stört zuweilen, schafft dadurch eine gewisse Distanz oder läßt einen immer wieder augenrollend die Seiten umblättern.
Zu viele Klischees, zu wenig Eigenleben der Figuren und immer wieder eine unglückliche Sprachwahl, vor allem der Adjektive, um es zu einem wirklichen Genuß zu machen...