Ich hatte mich eigentlich riesig auf das neue InEx-Album gefreut. Zwar bin ich von Haus aus Anhänger des Pagan/Folk Metal und höre nur noch selten etwas, was nicht Metal heißt, aber meiner Begeisterung für InEx tat dies keinen Abbruch. Daher lag "Sterneneisen" schon wenige Tage nach Erscheinen in meinen Händen. Und schon kam ein mulmiges Gefühl. Luftfahrt-Thematik im Mittelalterrock. Naja, warum nicht, InEx sagten ja bereits, sie wollten nicht ständig nur von Rittern singen. Das mulmige Gefühl wurde stärker, als ich im Booklet las, welche Instrumente gespielt werden: keine Cyster erwähnt, keine Schalmeien erwähnt, besonders meine geliebte Uilean Pipe vermisste ich. Man hat also abgespeckt. Naja, deswegen muss die CD ja nicht schlecht sein. Die kurze Spielzeit von 46 min wäre dann auch noch hinzunehmen, wenn die Qualität stimmt.
Bereits bei den ersten Klängen hört man eine stilistische Ähnlichkeit zu "Sängerkrieg". Find ich gut, zwar ist mein Lieblingsalbum "Mein Rasend Herz", aber Sängerkrieg darf sich mit "Sünder ohne Zügel" meinen zweiten Platz teilen. Aber schon im Opener wird die größte Schwäche des Albums deutlich: die Texte sind stellenweise schwach nie. Teils denkt man sich, die Strophen hätten nur den Sinn, sich irgendwie zu reimen. Vielleicht bin ich auch nur zu doof, um den Inhalt zu erschließen, aber ich vermute mehr, man hat sich hier weniger Mühe gegeben - auch wenn natürlich an anderen Stellen solide Arbeit geleistet wurde. Übrigens: abgesehen von einem altestnischen Text und den drei Worten "Viva la Vida" hat man die schöne Tradition des mehrsprachigen Gesanges zumindest für diesen Tonträger aufgegeben.
Wenn ich nun schon über den Text meckere, muss ich auch sehr lobend sagen: die Vortragsweise der Texte, sprich Michas Gesang, ist hervorragend. Ich denke, seine Sangeskünste sind hier so stark ausgefallen wie selten/nie zuvor. Sehr gute Arbeit!
Zur Musik: Man hört den neuen Schlagzeuger. Die Musik und besonders das Schlagzeug finde ich stellenweise metal-lastiger als vorangehendes Material. Andererseits klingen andere Partien ziemlich mainstream-orientiert, was InEx nun wirklich nicht nötig haben. Im Ganzen recht durchschnittlich für diese Band (wobei der In-Extremo-Durchschnitt immer noch weit über dem gewöhnlichen Durchschnitt liegt).
Mich beschleicht der Gedanke, In Extremo hätten Angst gehabt, länger als drei Jahre mit einem Nachfolger zu Sängerkrieg zu warten - uneingedenk, dass man in dieser Zeit eine Akustikplatte rausgebracht hat, einen Besetzungswechsel überstehen musste und ein eigenes Festival auf die Beine gestellt hat. Um dennoch ein neues Album rausbringen zu können, hat man teilweise wohl Kreativität gegen anspruchsarme Mainstream-Hörigkeit ersetzt. Ein halbes bis ganzes Jahr weitere Reifezeit hätte den Liedern (besonders den Texten!) vermutlich ganz gut getan. Oder man hätte noch ein, zwei Lieder mehr eingespielt, um wenigstens die 50 Minuten-Marke zu knacken.
Dennoch will ich keinen Fan davon abhalten, sich den Silberling zuzulegen! Das Album ist okay und ein Fan sollte es auf jeden Fall besitzen. Wer allerdings jetzt erst mit InEx anfangen will, sollte lieber Mein Rasend Herz, Sängerkrieg, Sünder ohne Zügel oder Verehrt und Angespien kaufen.
Highlights: Siehst du das Licht, Viva la Vida, Schau zum Mond, Hol die Sterne
Durchhänger: Stalker und besonders Gold hätte es nicht gebraucht