Der Titel dieser Bewertung mag sich etwas negativ lesen, aber er ist eigentlich nicht so gemeint. Es sind halt zwei Umstände, für die das Buch nicht soviel kann. Zunächst jedoch noch zur Einordnung: Bei "Sternendämmerung" handelt es sich um Teil Zwei der Trilogie um das Imperium der einstigen Shaa. Die Handlung knüpft im Grunde lückenlos an Band "Der Fall des Imperiums" an, eine in Band 1 aufgemachte Nebenhandlung wird gleich als erstes fortgesetzt. Die Kontinuität bleibt dahingehend also gewahrt. Für die Völker des alten Imperiums stellt sich nach wie vor die Frage, wie sie mit den abtrünnigen Naxiden umgehen sollen. Die Heimatflotte der loyalen Völker fehlt schrecklich und die Übermacht des Feindes ist drückend. Vor diesem Hintergrund gehen Offizier Martinez (mittlerweile selbst Schiffskommandant) und Pilotin Sula ihre Wege. Manchmal kurz gemeinsam, oftmals getrennt und am Ende sogar ganz unterschiedlich. Es gibt eine Raumschlacht und noch andere Kriegshandlungen. Wenigstens die Rückblenden aus Sulas Vergangenheit sind gegenüber Band 1 jedoch drastisch zurückgefahren worden und kommen nur noch da, wo es sinnvoll ist. Das Ende des zweiten Bandes ist für sich genommen jedoch sehr unbefriedigend, da es einem halben Cliffhanger gleichkommt (mehr noch als bei Band 1).
Zur Detailbewertung:
- Genau wie in Band 1 (und noch mehr) krankt es in diesem Buch an den perfekten Charakteren. Martinez und Sula sind in dem jahrtausendealten und jetzt auf einmal im Krieg stehenden Imperium quasi die Einzigen, die aufgrund ihrer dürftigen Erfahrungen aus dem Vorgängerband überhaupt eine Ahnung haben, wie man Krieg führt. Sie denken sich erfolgreiche Gefechts- bzw. Kriegsstrategien mal zwischendurch in ihrer Freizeit aus (vorzugsweise zusammen, weil es ja angeblich inspiriert) und sind halt einfach toll. Punkt. So zumindest die Meinung des Autors. Wer's glaubt.
- Die Gesellschaft innerhalb des Imperiums (natürlich insbesondere die Kaste der Peers) wird neuerlich gut ausgeleuchtet und obwohl Williams manchmal einen Tick zuviel in kurzer Zeit will, bleibt es an sich recht glaubwürdig und interessant. Allerdings hat mir dabei doch eine gewisse Spritzigkeit (wie in Band 1 als Martinez sich z.B. als Leutnant dem durch seinen Vorschlag extrem aufgebrachten Flottenkommandeur gegenübersieht und sich nicht anders zu helfen weiß als ihm spontan die Kehle darzubieten) gefehlt. Irgendwie erschien mir alles viel glatter und dabei ging manchmal ein gewisser Witz verloren. Vielleicht finde ich ihn ja wieder, wenn ich die Reihe nochmals lese.
- Die Perspektiven auf den Krieg. Zum Weltraumkampf kommt gegen Ende des Buches durch Sulas neue Verwendung eine weitere Dimension hinzu, die ich durchaus interessant fand.
- Die Ausformung der Charaktere. Außer ihrer Perfektheit fand ich jetzt nicht soviel zu bemängeln. Gegenüber mancher anderen Space Opera besitzen sie schon eine gewisse Tiefe und gerade ihre Interaktion ist nett (außer ihren allzu perfekten Ideen in gewissen Situationen, siehe oben).
Insgesamt stellt das Buch im Grunde wieder einen kurzweiligen Mix dar, wie beide Charaktere innerhalb ihres privaten und beruflichen Lebens den Krieg wahrnehmen und was sie tun. Die Übereifrigkeit des Autors, die beiden Helden zu perfekt zu machen, konnte ich an sich gut überlesen. Die Welt blieb für mich interessant, aber ich mag solche Universen halt gern. Wer den ersten Teil mochte, der wird hier meiner Ansicht nach ebenfalls auf ähnlichem Level unterhalten.
Zur Form des Buches sei gesagt, dass "Sternendämmerung" haargenau so ein Backstein ist wie der Vorgänger. Und genauso überteuert. Dafür kann die Story aber nichts. Das eher unbefriedigende Ende soll die Leser wiederum dazu bewegen, den Abschlussteil unbedingt auch noch zu kaufen.