Der Weltklimarat ist sich im Laufe der Jahre immer sicherer geworden: Die Sonne hat mit dem aktuellen Temperaturanstieg nichts zu tun. Schuld ist fast alleine das anthropogen ausgestoßene Kohlendioxid aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Als Grund wird genannt: Die Schwankungen der solaren Strahlkraft sind zu gering. Die Computermodelle könnten es angeblich ganz genau beweisen. In der Vergangenheit, ja, da wäre es wohl mal ab und zu vorgekommen, dass die Sonne das Zepter übernommen hat. Die Kleine Eiszeit vom 15.-19. Jh. fiel in eine Phase mit sehr geringer Sonnenaktivität. Auch das Mittelalterliche Klimaoptimum (9.-14. Jh.) sowie der Temperaturanstieg bis 1980 sind mit Phasen hoher solarer Strahlung verbunden. Aber das will nichts heißen. Denn was nicht sein kann, darf auch nicht sein. Jedenfalls nicht für die Heutezeit.
Da paßt die These des dänischen Physikers und Klimaforschers Henrik Svensmark so gar nicht ins Konzept des IPCC. Vereinfacht gesagt, postuliert Svensmark einen Verstärkungsprozess, der die geringen solaren Änderungen zu einem klimawirksamen Steuerungsfaktor anschwillen läßt. Hierbei moduliert und begrenzt das Sonnenmagnetfeld die kosmische Strahlung, die Kondensationskeime für kühlende Wolken liefert. Je stärker die Sonne und das solare Magnetfeld, desto mehr kosmische Strahlung wird davon abgehalten, auf die Erde zu prasseln, desto weniger kühlende tiefe Wolken entstehen, desto wärmer die Erd-Temperatur. Selbstverständlich ist dieser Prozess noch in keinem der IPCC-Modelle enthalten. Neben der Darstellung des Svensmark-Modells, enthält das Buch auch äußerst aufschlußreiche historische Informationen. So mußte Svensmark fast 10 Jahre auf die Durchführung einer umfangreichen Experiment-Kampagne warten, angeblich weil kein Geld hierfür zur Verfügung stand. In der gleichen Zeit wurden Milliarden an Forschungs- und Steuergeldern an anderer Stelle der Klimaforschung zur Verfügung gestellt. Man bekommt das beklemmende Gefühl, daß hier eine Forschung bewußt durch Mittelentzug sabotiert wurde, weil inkompatibel mit der herrschenden IPCC-Konsens-Lehrmeinung. Dies sollte in einer aufgeklärten Gesellschaft mit ergebnisoffener Grundlagenforschung eigentlich nicht sein.
Ich halte das Buch für eine absolute Pflichtlektüre für alle, die sich ernsthaft an der Klimadiskussion beteiligen wollen. Es kursieren vielerlei Gegenargumente gegen das Svensmark-Modell, das sich im Laufe der Zeit (wie viele andere Modelle) immer weiter entwickelt hat. Svensmark & Wissenschaftsjournalist Calder gehen in ihrem Buch auf diese Gegenargumente ausführlich ein, und man bekommt fast das Gefühl, als wäre man bei der Lösung der Widersprüche live dabei, so spannend sind manche Passagen beschrieben. Natürlich können nicht alle Bedenken restlos ausgeräumt werden, jedoch bekommt man das Gefühl, daß es den Svensmark-Solar-Vorverstärker wirklich geben könnte. Dies ist die Forschungsfront, wo fast monatlich wichtige neue Ergebnisse hinzukommen.
Natürlich hat das Buch auch einige Längen und einige wenige Teile sind schon etwas sehr speziell. Dafür gibt es ganz zu Beginn ein schönes Übersichtskapitel, in dem sich der geneigte Leser einen Gesamtüberblick über die wichtigsten Gedanken bilden kann. Gegen Ende des Buches wird das Modell auf geologische, 100er Millionen Jahre-Maßstäbe ausgeweitet. Auch dies könnte so stimmen, jedoch ist dieser Teil sicher etwas abgehobener und abstrakter. Vielleicht hat sich Svensmark schießlich in die Weite der erdgeschichtlichen Zeit und in die Milchstraße geflüchtet, als er genug von der ständigen Kritik der CO2-Steuerungs-Verfechter hatte. Derzeit laufen wichtige Experimente am CERN in Genf, die hoffentlich helfen werden, die Svensmark-Theorie zu stützen oder zu falsifizieren. Irgendwann wird dann klar werden, ob Svensmark nur ein armer Don Quichotte im Kampf gegen die Windmühlen ist, oder einer der klügsten Köpfe der letzten 100 Jahre, der es geschafft hat, sich gegen den festungsmäßig verbarrikadierten CO2-"Konsens" durchgesetzt zu haben.
(Hinweis: Die Rezension bezieht sich auf das englische Original, das aber mit der deutschen Übersetzung inhaltlich deckungsgelich sein sollte).