Die Autorin wurde in Dalmatien, heute Kroatien, geboren. Bis zum zehnten Lebensjahr wohnte sie bei ihrem Großvater, in dem kleinen Dorf Svib. Erst 1983 zog sie zu ihren bereits als Gastarbeiter in Deutschland lebenden Eltern. Erst ab diesem Zeitpunkt erlernte sie die deutsche Sprache. Das war ein großer Augenblick der Fremdheit, des Nichtverstehens, des absoluten Verstoßen sein ihn die Stummheit. Das Heineingehen in die neue Sprachwelt, dieses Wort Hinkommen zu den anderen, das war eine ganz existenzielle Erfahrung, ohne die sie auch nicht Schriftstellerin geworden wäre, denn sie verliebte sich in die deutsche Sprache. Die deutsche Sprache war ein ganz großer Zugang zur Welt, zur Freiheit, denn der Ort der Gegenwart liegt in der Sprache.
In Frankfurt am Main studierte sie Kulturanthropologie, Psychoanalyse und Slawistik. Ihre ersten Bücher "Tito ist tot" und "Der Spieler der inneren Stunde" sind Zeugnis dafür, dass Marica Bodrozic den Abschied vom Geburtsland noch nicht ganz vollzogen hatte, obwohl die Beschäftigung mit der deutschen Sprache für sie mehr und mehr zu einer Liebesgeschichte wurde. Endlich war sie an einem Ort angekommen, wo sie zu jemandem gehörte, und so legte sie sich die deutsche Sprache "wie ein wärmendes Kleidungsstück" um die Schulter. Anfangs stellte sich die Sprache für das zehnjährige Kind wie "ein Gewirk aus Bewegungen, Tönen, Gerüchen, Kopf- und Körperhaltungen" dar.
In dem Essay "In Sterne erben, Sterne färben" beschreibt die Autorin ihren Weg von der Stummheit, über die Lücken, zu den Worten und schließlich Sätzen. Wenn sie die Wahrheit sagen will, dann muss das in der Sprache stattfinden. Reflektierend schreibt sie, obwohl alles am Anfang fremd war,"nur im Deutschen ließ sich präzise träumen". Deutschland war nicht nur ein neues Land, es war die Freiheit an sich.
Marica Bodrozic Sprache ist gekennzeichnet von lyrischem Eigensinn und poetischem Bilderreichtum. In all ihren Erzählungen verströmt sie eine "Überdosis Poesie". So beschreibt sie in diesem Buch, wunderschön, mit einem gewissen Flair, welche Schwierigkeiten ihre Mitmenschen mit der richtigen Aussprache ihres Namens haben. Da schreibt sie nämlich: "Die Leute haben Angst vor allem was sie nicht kennen und mein Dachgeschmücktes Z und mein Vogellandeplatz des C in meinem Nachnamen macht die Menschen schon aus der Ferne schwitzen. Mehrfach sprachen sie den Namen vor meinen Lesungen richtig aus, Marica schien dabei das leichteste zu sein, hatte es ja weder Dächer noch Vogellandeplätze aufzuweisen. Kaum aber das die ungeübten Zungengymnastiker auf die Bühne oder ins Podium traten, brieten sie meine ganzen Buchstaben so lange in ihrem Angstgaumen durcheinander, bis auch der letzte Sinn und Klang verschwunden und dem Furchtgefälle zum Opfer gefallen war."
Ein schön zu lesendes Buch,von einer sehr klugen Autorin. Es ist auf der Oberfläche federleicht und es versteckt auch seine Tiefe an der Oberfläche.