Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
unbedingt lesen, 5. Februar 2006
Dieser Roman ist das absolut Beste, was ich von Fry bisher gelesen habe. Und das nach einem solchen Werk wie *Geschichte machen*, wo ich schon glaubte, das wäre nicht mehr zu überbieten. Was macht den Reiz von *Der Sterne Tennisbälle* aus? Die Geschichte ist doch sattsam bekannt. Entweder hat man das Buch *Der Graf von Monte Christo* gelesen oder eine der zahlreichen Verfilmungen über das Leben von Edmond Dantes gesehen. Hier heißt der Protagonist eben Ned Maddstone. Und seine Feinde Barson Garland, Cade, Delft und Fendeman. Doch schon nach den ersten Seiten will und kann man dieses Buch nicht mehr aus den Händen legen. Man nehme sich einen freien Tag, einfach zu konsumierende Nahrung und mache sich daran, dieses Meisterwerk in einem Zug durchzulesen. Wäre es frech zu behaupten, man kann herauslesen, dass dieses Buch ein durchaus gebildeter Engländer geschrieben hat? Und wahrscheinlich ist es die einfache und doch bildgewaltige Sprache Frys, die einen gefangen nimmt. Beim Lesen sieht man die Personen vor sich, man hat die Abläufe vor Augen, es ist, als wäre man ein stiller Zuschauer. Der Aufbau ist wie beim Vorbild *Monte Christo*. Ein durchaus sympathischer junger Mann gerät durch Intrigen an einen unwirklichen Ort und rächt sich später dafür. Aber wie, dass ist schon irgendwie beeindruckend und beweist einmal mehr, dass Fry sich auf sehr vielen Gebieten bestens auskennt (ich denke, ich werde mir erwähnte Werke Shakespeares nach dieser Lektüre durchlesen). Mehr will ich einfach nicht verraten, dieses Buch muss man gelesen haben und ich freue mich schon auf einen neuen Roman Frys. *Der Lügner* und *Das Nilpferd* fand ich noch recht dürftig, aber schon mit *Geschichte machen* hatte er alles wieder rausgerissen. Seine Sprache ist so diskret wie sie reich an Bildern ist. Sie überfordert niemanden mit hochgeschraubten Phrasen, bewegt sich aber auch nicht auf Schnellschreibniveau. Ein MUß für alle, die Spaß an guter und unterhaltsamer Literatur haben!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Meisterhaft!", 16. März 2010
Super Buch! Hier ein Auszug aus einer Rezension, die ich für die Schule geschrieben habe: Die Sprache des Buches ist leicht verständlich und der Satzbau zeichnet sich durch eine klare Struktur aus. Der Wechsel von Erläuterungen, aussagekräftigen Gefühls- und Gedankenbeschreibungen und erstklassigen Dialogen lassen beim Leser keine Langeweile aufkommen. Im Gegenteil: Die Worte zergehen auf der Zunge, fast schon wie eine Brausetablette, und der Redefluss wird an keiner Stelle eingeschränkt. Es folgt ein Beispiel einer mitreißenden Gedankenbeschreibung von Stephen Fry: "Ashley verkrampfte sich. Er hätte Ned am liebsten die Kehle aufgerissen, Venen und Nerven mit den Zähnen herausgezogen und auf den Boden gespuckt. Nein, stimmte nicht. [...] Ashley wollte etwas viel Vollkommeneres. Er spürte einen neuen Zorn, den er erst auf den Begriff bringen musste: Hass." Die Charakterzüge der einzelnen Personen werden dem Leser vor allem durch ihr Handeln verdeutlicht. Die Persönlichkeiten der (Anti-)Helden nehmen im Laufe des Buches immer mehr Gestalt an. Sogar ihre Gefühle bleiben dem Leser auf Grund der Monologe nicht verborgen. Kurz gesagt: Die Personenbeschreibungen sind genial und dazu so in die Geschichte eingebettet, dass es einem kaum auffällt. Stephen Fry hat eine ganz besondere Gabe: Durch seine Schilderung, wie ein Junge grundlos entführt wird und in eine Irrenanstalt gerät, spricht er nicht nur die Grundängste des Protagonisten der Geschichte an, sondern auch die eines jeden Lesers. Er spielt geradezu mit diesen Ängsten wie zum Beispiel vor dem Entführtwerden, so dass es dem Leser schwer fällt sich nicht mitreißen zu lassen. Es geht sogar so weit, dass der Leser sich so stark mit Ned, der Hauptfigur, identifiziert, dass er die Ungerechtigkeit, die Ned widerfährt, selbst zu spüren glaubt. Er entwickelt genau wie der Protagonist des Romans ein Rachegefühl. Nicht jedem Autor würde es gelingen, solche Gefühle beim Leser auszulösen. Die Rache, das Hauptthema des Buches, spielt durchgehend eine große Rolle und ist gut dargestellt. Bei Neds Rachefeldzug überschlagen sich zwar die Ereignisse und Zufälle, doch das erzeugt eher Spannung, als dass es stört. Wenngleich die Geschehnisse in der Realität auch unmöglich wären, im Buch sorgen sie für Pfiff und geben der Story immer wieder neue Anstöße. Gegen die Bewertung "meisterhaft!", wie sie dem Buch vom "Stern" zugesprochen wurde, ist nichts einzuwenden. In meiner persönlichen Bewertungsskala steht dieses Buch ziemlich weit oben auf der Liste der Belletristik. Dieses Werk ist eines der Bücher, die man nach der letzen Seite nicht sofort beiseite legt, sondern das man noch eine Weile in der Hand hält, während man sich wünscht, es wäre noch nicht zu Ende. Empfehlenswert vor allem für Jugendliche, insbesondere für jemand, der sich nach einer schlaflosen Nacht sehnt...
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29 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Graf von Monte Christo, revisited, 4. Oktober 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Sterne Tennisbälle (Gebundene Ausgabe)
Der Brite Stephen Fry ist eine schillernde Figur auf der „Insel". Der 1957 geborene Autor, Theater- und Filmschauspieler („Peter's Friends", „Oscar Wilde"), Unternehmer und Ex-Häftling legt eine Umtriebigkeit an den Tag, die deutsche Kult(ur)figuren nur lahm nachahmen können, von der Schlingensief etwa nur eine zappelige Karrikatur liefert. „Der Sterne Tennisbälle" ist sein vierter Roman. Während mich bei „Das Nilpferd" noch die etwas wirre Struktur und der teilweise aufgesetzt wirkende, herbeikonstruierte Humor gestört haben, ist „Der Sterne Tennisbälle" aus einem ganz anderem Holz geschnitzt. Das Buch kommt zunächst wie ein vortrefflich formulierter Internatsroman daher, entwickelt aber nach und nach eine beharrliche, amüsante, konsequente, gelehrte Grausamkeit, die ich in dieser Form bei einem zeitgenössischen Autor noch nicht erlebt habe. In wunderbarer Erzähltradition, weitaus intelligenter, als etwa Tom Sharpe, der die Mittelmäßigkeit seiner Satire zur hehren Maxime erhoben hat und dem Modern-Talking- Syndrom erlegen ist (Selbstrepetition), seziert Fry zunächst die britische Aristokratie, die Politik, das Bildungsbürgertum. Nicht jedoch, ohne eine subtil-ironische Liebe zu all dem zu offenbaren, etwas, das Fry mit vielen englischen Autoren gemein hat, denn es ist eine urbritische Eigenschaft, diese Haßliebe zum anachronistischen Empire mit all seinen Schrullen. Dann schlägt er zu. Ich will nicht zu viel über den Inhalt verraten, denn das würde dem geneigten Empfehlungsfolgenden einige köstliche Überraschungen vorwegnehmen. Die Story um Ned Maddstone, den überaus beliebten Jungen, dem einfach alles gelingt, und der deshalb zum Opfer eines folgenschweren Streichs seiner neidischen Mitschüler und Nebenbuhler wird, ist brillant aufgebaut, zwingend, rasant, satirisch - und in einer Art erzählt, die nicht mehr einfach nur als "Tiefgang" bezeichnet werden kann. Die vorbehaltlos ausgekostete Süße der Rache und der Genuß, listig gesponnenen Plänen beim Gelingen zuzusehen, stehen im Vordergrund des zweiten Teils, aber das Buch gibt sich dem nicht orgiastisch hin, wiewohl die Versuchung groß ist. Fry läßt auch seinen überragenden, später etwas morbiden Protagonisten das Schicksal nicht endgültig in die Knie zwingen, denn wir sind alle nur „der Sterne Tennisbälle". Dies gilt auch und erst recht für Ned Maddstone, den Grafen von Monte Christo des Internet-Zeitalters. Genial.
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