Vor unserer Reise nach Neuseeland im November 2008 hatten wir das Buch "Sterne des Südens" von einer Freundin geschenkt bekommen. Nach dem Umschlagtext beurteilt, hätte die Lektüre eine perfekte Einstimmung auf unseren Urlaub sein können. Doch dann kam es doch anders... Um es kurz zu machen: Ich habe selten ein so schwaches Buch bzw. einen so schwachen Reisebericht gelesen. Brigitte Margert hat ein Jahr zusammen mit ihrem Lebensgefährten und mit einem "Work&Travel-Visum" in Neuseeland verbracht und während dessen in unterschiedlichen Jobs gearbeitet. Anders als der Umschlagtext verkündet, handeln ihre Erzählungen hauptsächlich von ihrer Suche nach Arbeit sowie davon, wie es ihr bei den einzelnen Arbeitsstellen ergangen ist und welche Probleme sie mit Arbeitskollegen oder Mitbewohnern hatte. Die von ihr beschriebenen Kontakte sind daher auch weniger solche mit Einheimischen, als vielmehr mit Personen, die auf ähnliche Weise unterwegs waren, d.h. ebenfalls als Ausländer Gelegenheitsjobs angenommen hatten. Es ist daher auch keinesfalls der Bericht einer "aufregenden Reise durch eines der faszinierendsten Gebiete der Erde", wie der Umschlagtext verspricht, sondern die mehr oder weniger langweilige Erzählung der Autorin von ihren Eindrücken während ihres Aufenthaltes in Neuseeland in den Jahren 2004 und 2005.
Wenn es dort weiter heißt, dass "jenseits der bekannten Touristenpfade (...) der Alltag in einem fremden Land ebenso beschrieben (wird) wie die Einzigartigkeit der Natur", dann entspricht auch dies nicht dem tatsächlich Inhalt des Buches. Soweit die Autorin hin und wieder von Aktivitäten berichtet, die sie mit ihrem Lebensgefährten außerhalb irgendwelcher Arbeitsstellen unternommen hat, dann handelt es sich dabei tatsächlich regelmäßig um gewöhnliche touristische Aktivitäten, wie sie in Neuseeland offensichtlich typisch sind, oder von ihrem Kurzurlaub auf Samoa, den sie mit ihrem Freund zwischendurch unternommen hat. Die Autorin bewegt sich hier also keinesfalls abseits ausgetretener Touristenpfade.
Wer selbst vorhat, eine längere Zeit mit Reisen und Arbeiten in Neuseeland zu verbringen, der mag die ein oder andere Anregung bekommen. Ich gehe jedoch davon aus, dass solche Informationen schneller, aktueller und bequemer im Internet oder anderen Ratgebern zu finden sind. Insidertipps o.ä. enthält das Buch m.E. überhaupt nicht; da wird man in jedem Reiseführer schneller fündig und wahrscheinlich besser informiert. Ich habe mich bei der Lektüre des Buches an manchen Stellen wirklich aufgeregt. Die Autorin verhält sich in vielen Situationen wirklich unglaublich - um nicht zu sagen unerträglich - naiv, ohne dabei aber liebenswert zu erscheinen. Es ist teilweise wirklich nicht zum Aushalten. Dazu kommt, dass die Erzählweise weder originell noch unterhaltsam oder gar spannend ist. Im Gegenteil: das Buch ist in einfachster Sprache geschrieben. Es kommt einem manchmal wie der Schulaufsatz eines Kindes vor und erreicht häufig noch nicht einmal das Niveau der unzähligen Reiseberichte im Internet, die Amateure ohne wirtschaftliches Interesse veröffentlicht haben und die über kein Lektorat verfügen. Die Autorin scheint im Übrigen nur zwei Stimmungen zu kennen: Himmelhoch jauchzend oder zum Tode betrübt. Das nervt auf über 300 Seiten wirklich. Erwähnenswert erscheint mir einzig die Tatsache, dass ich es trotz aller Schwächen und Kritikpunkte bis zum bitteren Ende gelesen und nicht schon vorher weggelegt habe.
Auf der Internetseite der Autorin heißt es: "Auf dieses Buch sollte man nicht verzichten, wenn man durch Neuseeland reisen möchte und seine schönsten Seiten nicht verpassen will". Da kann ich wirklich nur schmunzeln. Jeder halbwegs vernünftige Reiseführer wird einen besser und hintergründiger informieren, als dieses Buch. Jedem, der mit dem Gedanken spielt, sich dieses Buch zuzulegen, kann ich nur raten, sich vorher die Leseprobe auf der Internetseite der Autorin anzuschauen. Aber Vorsicht: Die dort gezeigten Fotos, durch die der Bericht evtl. noch etwas illustriert worden wäre, enthält das Buch nicht (es enthält überhaupt keine Fotos). Ich möchte hier keine Werbung machen, aber wer einen etwas anderen Reisebericht möchte, der unterhaltsam, informativ und zugleich stimmungsvoll ist und vor allem Lust auf eine Reise nach Neuseeland macht, dem kann ich das Buch "Am schönsten Ende der Welt - Neuseeland" von Dieter Kreutzkamp, erschienen im Sierra Taschenbuch-Verlag, empfehlen.