Amelie von Freyer stammt aus ärmlichsten Verhältnissen in Berlin und wurde von einer adligen Familie adoptiert, die ihr ermöglicht hat Medizin zu studieren in einer Zeit als dies für Frauen eigentlich noch völlig unmöglich war. Denn dieser packende Abenteuerroman spielt im Jahre 1906. Er ist aber nicht nur Abenteuerroman, der uns in die Steppen und Savannen von ehemals Deutsch-Ostafrika mit den geheimnisvollen Bräuchen und Traditionen der Eingeborenen führt, sondern auch ein Stück deutsche Kolonial-, Medizin- und außergewöhnliche Liebesgeschichte.
Eine Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die miteinander in Deutschland, Berlin, aufgewachsen sind, sich dann aus den Augen verlieren und erst Jahre später auf einem fremden Kontinent wiedertreffen, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Dem Kampf gegen die Malaria!
Eindrucksvoll und ich fürchte ziemlich realistisch wird die Ausgangssituation der jungen Ärztin Amelie geschildert, die nach Erniedrigung, fehlender Akzeptanz und Demütigung durch ihre deutschen Kollegen nach Afrika flüchtet, um ihrer Berufung, Menschen zu helfen, nachkommen zu können. Gleichzeitig flüchtet sie vor einer zerbrochenen Liebe. Denn auch ihr Verlobter sah in ihr nur die schöne Frau, nicht aber die wissensdurstige Ärztin und Wissenschaftlerin. "Für ihr Haar konnte sie nichts, das war ihr mitgegeben. Ihren Verstand, den hatte sie sich erarbeitet. den hatte Theodor jedoch mit keinem zärtlichen Wort gestreichelt."
Nach Zurschaustellung ihres Könnens auf dem Reichspostdampfer Admiral während der Überfahrt nach Daressalam im ehemaligen Deutsch-Ostafrika wird sie vom deutschen Industriellen Messingnagel für eine Expedition zum Tanganjikasee, dem zweitgrößten See Afrikas, angeheuert. Dort ist das Zentrum der Malariaepedemie. Eine Krankheit, die tausende von Menschen infiziert hat und in einen Schlaf entführt, aus dem sie nie mehr erwachen. Daher auch der Name: Schlafkrankheit. In Deutschland wurde ein neues Medikament entdeckt, das Atoxyl, das nun im Feldversuch eingesetzt werden soll. Messingnagel glaubt als Einziger an Amelies Fähigkeiten als Ärztin und Wissenschaftlerin.
Auf dieser lebensbedrohlichen und beschwerlichen Expedition kämpft Amelie aber nicht nur gegen Löwen, kriegerische Eingeborenenstämme, Hitze und Krankheiten der Tropen, sondern auch und vor allem gegen die Vorurteile der Männer. Unterstützung erfährt sie erst als ihre Jugendliebe Gustav überraschend auftaucht, der dem deutschen Kaiser im Militär als Leutnant dient. Gemeinsam kämpfen sie vor Ort gegen die totbringende Seuche und entdecken dabei ihre Liebe zueinander ...
Im Anhang des Buches ist eine Landkarte vom Ostafrika 1906 zur Veranschaulichung eingefügt und zahlreiche Literaturquellen der Autorin benannt, die während der Entstehung des Romans zu Recherchezwecken gedient haben. Einige der genannten Quellen sind bestimmt ebenfalls interessant zu lesen, wenn man sich mit den Themen Malariaforschung, Kolonialgeschichte Afrikas, Ärztinnen und Abenteuerinnen im Kaiserreich, afrikanischen Woodoo-Zauber näher auseinandersetzen möchte.
Lassen Sie sich nicht von dem kitschigen Buchcover in die Irre führen. Versinken sie vielmehr in einem richtig spannenden historischen Abenteuerroman einer armen Berliner Göre in Afrika und der Erfüllung ihres Lebenstraums ...