Das Phänomen des Autismus ist vielen Menschen erstmals durch den Film „Rainman" mit Dustin Hoffman bekannt geworden. Der Film stellt jedoch ein typisches Beispiel für den Blick des „normalen" Mitmenschen auf den Sonderling dar. Es wird zwar eine gewisse Sympathie für den Außenseiter geweckt, doch dessen Wahrnehmung der Welt bleibt weitgehend im Dunkeln.
Als jemand, der beruflich nicht selten mit Autisten, speziell dem Asperger-Syndrom, und ihrem Handicap zu tun hat, habe ich mir oft gewünscht, einmal (natürlich nur für kurze Zeit) in die Haut eines Autisten schlüpfen zu können, um einen Eindruck von seiner besonderen Wahrnehmung seiner Umwelt zu bekommen. Um so begeisterter war ich über die Entdeckung, dass es Autisten gibt, die genau darüber geschrieben haben.
„Sterne, Äpfel und rundes Glas" ist beides, eine anrührende Autobiografie und ein Ratgeber für Betroffene und deren Angehörige. Die Autorin berichtet sehr offen über ihre Erfahrungen mit einer Welt, die sich ihr nicht so recht erschließen will und nicht kompatibel zu ihrer Innenwelt zu sein scheint. Es wird aber ebenso deutlich, dass wir es bei der Autorin mit einer jungen Frau zu tun haben, die trotz aller Hindernisse darum gekämpft hat, „ihren" Platz zu finden und dabei, so scheint es, bisweilen über sich hinausgewachsen ist. Insofern ist sie sicher keine typische Vertreterin dieses Handicaps. Dennoch macht ihre Geschichte Mut, unmöglich scheinendes möglich zu machen, Mut, den insbesondere die Angehörigen dieser Menschen benötigen.
„Sterne, Äpfel und rundes Glas" ist deshalb sowohl für Leser geeignet, die einen Blick hinter die meist undurchdringlich erscheinende Fassade eines Autisten werfen möchten, um besser zu verstehen, als auch für Betroffene, um Ermutigung zu bekommen, nicht zu schnell aufzugeben.