Mir hat an diesem Buch besonders die differenzierte und nicht übertriebene Figurenzeichnung gefallen. Die Menschen werden so beschrieben, wie sie sein könnten, keine ihrer Eigenschaften wird herausgestellt, überspitzt, wie es manchmal in Kinderliteratur der Fall ist. Die eigentliche Handlung wird durch die Figurenzeichnung mit Leben erfüllt und dem Leser sehr nah gebracht. Das Buch stellt als Grundfrage die Frage nach dem Umgang mit Krankheit und Tod in unserer Gesellschaft, besonders gegenüber Kindern: Sollen sie von allem fern gehalten werden? Sollen wir ihnen gegenüber schweigen, nur das nötigste sagen? Sollen wir offen sein? Wieviel Offenheit können Kinder diesbezüglich vertragen? Louise beschreibt, wie sie und ihr Bruder manchmal Dinge "vorausahnen", die die Erwachsenen ihnen gegenüber noch nicht ausgesprochen haben, wie sie das Mitleid mancher Leute hemmt und wie sie Hilfe durch die Offenheit ihrer Mutter und eines Freundes der Familie, der seine Trauer und Angst Louise gegenüber zeigt, erhält. Auch wenn die Vorstellung von einem Stern, zu dem die Mutter wird, dem naturwissenschaftlichen Weltbild nicht stand hält, so ist sie für Louise (und den Leser) sehr tröstlich.