In diesem Band bilden die Kunst, ein Buch zu gestalten und die literarische Meisterschaft des Autors eine Einheit. Ein aufwändig produziertes Werk, in dem sich Illustrationen und Texte ergänzen. Eines, das man immer wieder gern in die Hand nimmt. Mancher Text erinnert an Brecht und geht doch wohltuend über ihn hinaus. Da ist keine Ideologie, die Schranken setzt, keine "Maßnahme". "Herr L. in K." - ein kurzer, ein beindruckender, ein tiefschürfender Text. Die "Letzte Neuigkeit" läßt mich an Camus denken, jedenfalls den, der mir vor langer Zeit im Französisch-Unterricht beigebracht worden ist. Rathenow ist jedoch eigenständig, er kopiert nicht, sondern benutzt sprachliche Mittel schöpferisch. Dabei muß der Leser nicht wie "Der Deuter" Flasche um Flasche öffnen und leeren, um immer wieder mehr aus dem Werk zu schöpfen: Schlichtes Lesen und Schauen genügt. Ein rundum gelungenes Buch. Und wäre nicht der Titel, der die Erbtante schreckt - auch als Geschenk sehr zu empfehlen.