Der Tod hat keinen Platz mehr in Deutschland. Nach Jugendwahn, medizinischer Überversorgung und Generalvollmacht, ist selbst der Tod nicht mehr willkommen und auch nicht mehr integrierbar im Leben der deutschen. Niemand will ihn im Haus haben, doch 75% möchten nicht im Krankenhaus sterben. Der Tod selbst soll überlistet werden, durch den freien Suizid in der Schweiz oder anderswo oder hinausgezögert durch lebensverlängernde Maßnahmen. Der Tod erscheint vielen Deutschen als unmögliche Konsequenz nach einem langen Leben. Das Buch STERBEN IN DEUTSCHLAND von Reimer Gronemeyer zeigt all dies in bedrückenden Kapiteln auf.
Ich war persönlich sehr entsetzt über all die schrecklichen Bilder, welche der Autor Reimer Gronemeyer in seinem Buch STERBEN IN DEUTSCHLAND heraufbeschworen hat, über all die dunklen Gedanken, welche die Deutschen bewegen, wenn sie an ihr natürliches Ende kommen, über all die sinnlosen versuche das Unvermeidliche aufzuschieben oder gar kontrollieren zu wollen.
Der Horror der Pflegeheime, das Misstrauen gegenüber den Krankenhäusern, die fehlende Großfamilie und die damit einhergehende Geborgenheit auch im Alter oder das süße Sterben - der Tod als Dienstleitung, alles dies bewegt die Deutschen. Doch wo geht es hin, wenn der Tod kommt?
Der Umgang mit dem Tod und dem Sterben hat sich in Deutschland in nur einer Generation verändert und gewandelt von einer natürlichen Sache zu einem höchst unwillkommenen Ereignis.
Auch der Spardrang mittels Feuerbestattung und anonymer Urnenbestattung ist ein Signal an die Gesellschaft. Ansonsten ist der Tod eine kostspielige Sache geworden, denn das Sterben ist teuer und die Beerdigung umso teurer.
Wir schieben die Sterbenden ab, wollen sie nicht sehen, lassen sie in Einzelzimmern, am Ende des Gangs liegen, um nur ja keine Notiz vom Tod zu bekommen. Sterbende sind wie Aussätzige - wo ist die Barmherzigkeit geblieben, wo die offenen Herzen, welche den Todgeweihten begleiten?
Reimer Gronemeyer zeigt in seinem bewundernswerten Buch auf, wie diffus die Angst vor dem Tod geworden ist. Was aus den Deutschen in Sachen Tod geworden ist: Angsthasen. Familie und Nachbarschaft zerbröseln sich in heutiger Zeit in immer kleiner Einheiten, bis der Tod in Anonymität zum gewalttätigen Ereignis wird, welches zu beherrschen, die scheinbar letzte Chance ist..
Sehr empfehlenswert!