Monica Bleibtreu, die inzwischen leider selbst verstorben ist, war immer eine berührende Schauspielerin und Leserin. Aber wie sie - vermutlich selbst im Wissen um ihren nahen Krebstod - diese an sich schon bewegende und faszinierende psychologische Schilderung des Sterbens eines jungen Mannes liest, lässt einen vom ersten Wort an nicht los. Ist Schnitzlers unaufgeregte und psychologisch exakte Schilderung des Erlebens der beiden jungen Menschen Felix (der weiß, dass er dem Tod entegegengeht) und Marie, seiner Verlobten, schon Weltliteratur ersten Ranges, wird das Geschehen durch Bleibtreus Stimme und ihr gewissermaßen paralleles Schicksal zu einem wirklichen Hörerlebnis. Mit feinen Nuancierungen trifft sie die verschiedenen seelischen Verfassungen - Verleugnung, Hoffnung, Resignation, Verzweiflung, Trauer, Angst, Hass. Ganz unmerklich wird Felix' Stimme immer fremder, immer schwächer, immer verzerrter, während Marie von anfänglicher eigener Todessehnsucht zu einer ungeheuren Sehnsucht nach ihrem eigenen Leben wächst. Wenn ich könnte, würde ich noch einen 6. Stern dazu geben...