Der englische Journalist Chas Newkey-Burden schrieb als Fussballfan mit Arsene Wenger zusammen offizielle Jahrbücher von Arsenal. Arbeitet er allein, verfasst er vorwiegend Biographien berühmter Zeitgenossen. Allerdings betrachten Amy Winehouse, Danii Minogue, Paris Hilton, Simon Cowell, Alexandra Burke, Justin Bieber oder The Wanted diese Lebensbeschreibungen als nicht autorisiert. Das muss nicht zwingend zu schlechten Büchern führen wie zahlreiche gelungene Beispiele zeigen. Aber wer sich nur auf spärliche Quellen stützen kann, muss eine poetische Ader haben, um das Publikum zu begeistern. Und er sollte sich entweder um Ausgewogenheit bemühen oder einseitige Blickwinkel nachvollziehbar machen. Da Chas Newkey-Burden beiden Anforderungen nur in Ansätzen gerecht wird, hat mich auch sein Buch über Stephenie Meyer wenig begeistert.
Retten lässt sich eine aus Interviewfetzen, Mutmassungen und bekannten Geschichten zusammengesetzte Biographie oft durch das Bildmaterial. Aber ausser Pressefotos zu den Verfilmungen der Twilight-Saga und drei verschwommenen Aufnahmen aus dem Familienalbum wird den Fans von Stephenie Meyer leider nichts geboten.
Um mit unautorisierten Biographien von Promienten Erfolg zu haben, muss man schnell sein. Denn es weckt nur derjenige genügend Aufmerksamkeit, der als erster den Wunsch von Fans erfüllen kann, mehr über das Leben ihrer Helden und Heldinnen zu erfahren. Chas Newkey-Burden war schnell. Aber nur Ausnahmetalente schaffen es, dass Schnelligkeit nicht auf Kosten der Qualität geht. Der englische Journalist scheint nicht zu diesen Ausnahmen zu gehören. Das ahnte ich schon nach dem Vorwort, in dem er die bekannte Geschichte von Stephenie Meyers Traum nach einer Bootsfahrt erzählt, der letztlich den Anstoss zur Twilight-Sage gab. Und wenn er dann in seiner Einleitung gleich auf das Vermögen der Erfolgsautorin zu sprechen kommt und diese mit dem von J.K. Rowling vergleicht, ist die Poesie schon futsch.
Nach diesem eher missglücktem Beginn erzählt uns Chas Newkey-Burden von der mormonischen Kindheit der Autorin, von ihrer Schulzeit, den Lesegewohnheiten und Schriftstellen, die sie bei ihren jungendlichen Höhen und Tiefen begleiteten. Im zweiten Kapitel werden der Aufbruch nach Utah beschrieben, die Studienzeit, wie Stephenie Meyer die Musik entdeckt und 1998 ihr erstes Kind bekam. Da Chas Newkey-Burden mit seinen spärlichen Quellen auskommen muss, füllt er die Zwischenräume oft mit Informationen, die eher Langeweile als Spannung erzeugen.
Im dritten Kapitel kommt dann der berühmte Traum, bei dem der Autor natürlich ebenso wenig dabei war wie bei den meisten beschriebenen Szenen. Er verweist denn auch auf die offizielle Homepage von Stephenie Meyer, die ihre Fans natürlich längst kennen. Und immer wieder tauchen auch Harry Potter und seine Erfinderin auf. Nachdem die Leser von den ersten Erfolgen der Twilight-Saga erfahren haben, werden im vierten Kapitel weitere Beispiele von Schriftstellern angeführt, deren Büchern von Träumen inspiriert wurden. Man erfährt deshalb mehr über literarische Schreibprozesse als über das Leben von Stephenie Meyer. Im nächsten Kapitel steht die Autorin dann im Rampenlicht, wobei wir leider wenig darüber erfahren, was dieser plötzliche Erfolg in ihrem Privatleben auslöste. Im zweitletzten Kapitel steht die Geschichte "Seelen" und wie Stephenie Meyer dazu inspiriert wurde im Zentrum. Und zum Schluss kommt Chas Newkey-Burden nochmals darauf zu sprechen, warum Musik für die Autorin der Twilight-Sage so wichtig ist und weshalb sie trotz des Erfolges bescheiden blieb.
Mein Fazit: Auf eine autorisierte Biographie von Stephenie Meyer müssen ihre Fans noch warten. Wem das zu lange dauert, muss sich mit der Version von Chas Newkey-Burden begnügen. Wie viele Sterne er für sein Zusammentragen meist schon bekannter Informationen vergeben will, liegt dann in seinem Ermessen. Für meine Vorstellungen einer spannenden Biographie ist meine Bewertung grosszügig.