So könnte man kurz umschreiben, was man hier erhält. Dabei differenziere ich zwischen Filmbewertung und DVD-Qualität.
Der Film an sich ist eine relativ romannahe Umsetzung von Kings Mammutwerk "The Stand". Er präsentiert sich sehr Dialog orientiert und erinnert damit an "The Langoliers". Wirkliche Horror- oder Actionszenen kommen meist sehr überraschend und gelungen, und daher doppelt schockierend - dafür gibt es aber auch immer wieder längere "Pausen" dazwischen. Wer den schnellen Kick sucht, findet ihn daher hier nicht. Wer dagegen seine Romanhelden gerne auf der Leinwand sehen möchte und atmosphärische Filme mit detailliertem, sauberem Storyaufbau mag, sich gerne mit den Charakteren identifizieren und sie 6 Stunden lang begleiten möchte, ist richtig. Auch ist der Film mit seinen vielen beeindruckenden Landschaftsaufnahmen ein tolles Portrait der USA.
Die DVD-Qualität dagegen ist objektiv gesehen unterdurchschnittlich. Auf animierte Menüs oder großartige Specials lege ich persönlich nicht soviel Wert, von daher fällt das für mich weniger ins Gewicht. Dagegen ist die Bildqualität nicht akzeptabel: das Bild wirkt verwaschen, detail- und kontrastarm und die Farben sind meist leblos. Sehr dunkle Bildstellen wirken grau statt schwarz, oft ist Rauschen zu sehen und bei schnellen Bewegungen verwischt das Bild noch zusätzlich. Ich habe nicht herausgefunden, welches Format man verwendet hat, aber der Qualität nach vermute ich fast, man hat die Miniserie von 6 Stunden auf zwei DVD 5 gepackt - wieso auch immer.
Noch meine persönliche, subjektive Meinung zum Film, ich finde die Umsetzung gelungen. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Über Gary Sinise als Stuart Redman könnte ich lange diskutieren, ich hätte mir ein anderes Gesicht gewünscht. Er ist mir nicht sympathisch, wirkt farblos und für die Romanfigur Redman zu unerfahren und unsicher. Ebenso wirkt Molly Ringwald als Fran Goldsmith auf mich etwas affektiert.
Absolut positiv stechen für mich dagegen Corin Nemec als Harold Lauder und Ray Walston als Glen Bateman heraus. Nemec als sensibler Junge, der seine Ängste im Verlauf des Films immer mehr hinter tyrannischem Größenwahn versteckt, ist vollauf authentisch und überzeugend. Und Walston als philosophisch angehauchter "Großvater", der nur schwer zu beeindrucken und immer für einen Rat gut ist, wirkt charismatisch und stark. Insgesamt sind die meisten Darsteller für mein Auge gut ausgesucht und spielen überzeugend. Jamey Sheridan verleiht seiner Figur Randall Flagg eine geradezu diebische, schelmische (Schaden)Freude und eine spielerische Boshaftigkeit, die dem Leibhaftigen gut zu Gesicht steht. Und Laura San Giacomo als Nadine Cross ist wirklich teuflisch gelungen, wenn auch mitunter sehr aufdringlich.
Leicht störend ist für mich die allgemeine Dominanz des christlichen Gedankenguts, wie etwa der Gottesfurcht als Tugend, oder dem Sex als Teufelswerk. Allerdings ist dies aus dem Roman übernommen worden und auch reine Geschmackssache.
Manche Personen, die im Roman recht große Rollen hatten, wie Ralph Brentner oder Susan Stern, treten im Film zu Gunsten anderer, dafür betonterer Charaktere etwas zurück - alles andere würde den Film wohl auch sprengen, daher finde ich das vernünftig. Übrigens: wie fast immer, spielt Stephen King auch hier eine Nebenrolle. Allerdings, das ist wirklich interessant, eine längere, nämlich die des Teddy Weizak. Und so sieht man ihn diesmal sogar in recht vielen Szenen.
Zur Synchronisation, sie kommt von MME und in angenehmer Qualität, vor allem Thomas Danneberg (die deutsche Stimme von Arnold Schwarzenegger) als Randall Flagg ist ein hervorragender Besatz. Der Soundtrack des Films ist atmosphärisch, oft melancholisch und schleppend und erinnert stark an "The Langoliers". Er vermittelt dem Zuschauer eine beklemmende, geradezu drückende Einsamkeit eines verheerten, verlassenen Amerika und gibt dem Film eine Menge Tiefe. Er verleiht ihr zusammen mit den teils großartigen Aufnahmen amerikanischer Landschaft eine einzigartige Atmosphäre - ich finde ihn sehr gelungen. Auch gut gewählt der Kult-Titelsong: "Don't Fear The Reaper" von Blue Öyster Cult.
Leider merkt man dem Film sein niedriges Budget an, wie schon bei den Langoliers sind die Special Effects auch hier nicht von nennenswerter Qualität, eher im Gegenteil. Teils musste ich etwas grinsen.
Der Film selbst erhält von mir "nur" vier Sterne, weil er doch etwas arg lang ist und es ihm an gelungenen Spezialeffekten mangelt, aber ich habe ihn dennoch mit Genuss gesehen - vor allem, nachdem ich bereits den Roman gelesen hatte.
Aufgrund der mangelhaften Bildqualität der DVD-Edition, der ich allenfalls zwei Sterne geben würde, ziehe ich insgesamt noch einen Stern ab und lande damit bei drei Sternen, da es keine 3,5 gibt.
Vor allem für King-Fans und für Leser des Romans empfehle ich diesen Film. Auch für geduldige Zuschauer, die lieber detaillierte, tiefgehende Geschichten anschauen, als Kurzweil-Filme ohne Pausen, in denen sich eine Actionszene an die nächste reiht.