In der Ruhe liegt die Kraft. Eilig hatte es der Hamburger Blues-Mann denn auch nicht gerade, schließlich gingen mehr als 4 Jahre seit seiner vorherigen Studio-Veröffentlichung ins Land. In dieser Zeit hatte der sympathische Bühnenheld nicht nur ein paar hundert Konzerte irgendwo zwischen dem Meer und den Bergen Deutschlands gegeben, sondern auch neue Songs geschrieben. Getragen von den Perkussionisten Martin Röttger und Stephan Yokusch vertraute Abi Wallenstein auch bei "Step In Time" auf seine langjährigen musikalischen Weggefährten Henry Heggen und Steve Baker, die als Harmonika-Spezialisten immer wieder auch "live" mit ihm zu erleben sind. Mit "Step In Time" hatten Abi und seine Freunde, zu denen sich gelegentlich auch Sängerinnen, ein Klarinettist sowie Tuba- und Akkordeonspieler gesellen, nicht nur erneut einen weiteren Schritt nach vorne gemacht, sondern gleich ein Werk der besonderen Güteklasse abgeliefert. "Step In Time" weist unüberhörbar und wahrhaftig in Richtung Mississippi, ohne sich dabei jemals in Klischees zu verlieren oder eigenständiges Profil vermissen zu lassen. Längst wissen wir, daß Abi Wallenstein den archaischen Blues tief verinnerlicht hat wie nur wenige andere hierzulande. Und daß er es versteht, sich auch Songs anderer Musiker auf unnachahmbare Weise so zu eigen zu machen, als hätte er sie selbst erfunden. Auf dieser CD dienten u.a. Klassiker von George Harrison ("Taxman"), Jagger/Richards ("Off The Hook"), John Hiatt ("Thing Called Love") und Mance Lipscomb ("Titanic") als musikalische Steilvorlagen. Man kann nur hoffen, daß die Stones und Hiatt jemals Gelegenheit haben werden, ihre Songs in diesen Darbietungen zu hören. Sie würden staunen, mit welcher Professionalität, Energie und beherzten Ruppigkeit diese Songs geradewegs mitten hinein in die Delta-Juke Joints geführt werden, dorthin, wo "Fat Possum"-Typen wie R.L.Burnside einem Abend für Abend ihren Blues derart unverkleistert um die Ohren hauen, daß es eine Wohltat ist! Besonders reizvoll macht diese CD schließlich auch die Balance zwischen elektrisch verstärkten und akustischen Songs. Letztere führen wieder zurück zum sich Wind und Wetter trotzig entgegen stemmenden Straßenmusiker Wallenstein, dessen regelmäßige Innenstadt-Auftritte von vielen Hanseaten immer noch stolz als weitere Belege für besondere Hamburger Lebensqualität angeführt werden.