Ein großer Konzern, der Industriegase herstellt und ausliefert, bespitzelt seine Angestellten. Jedes Wort wird sorgfältig in den Akten dokumentiert. Betriebsrat Karl Maiwald entdeckt zufällig die Abhöranlage im Vorzimmer des Direktors und ist schockiert. Mit seinem Kollegen Franz setzt er die Sekretärin so lange unter Druck, bis sie ihm die ganze Wahrheit gesteht. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion besorgen Karl und Franz daraufhin die Akten und klären die versammelte Belegschaft auf der Weihnachtsfeier über die üblen Machenschaften in ihrem Betrieb auf. Die Situation auf der Feier gerät vollständig außer Kontrolle und die Firmenspitze flieht Hals über Kopf aus dem Fenster. Der Direktor wird versetzt, ein Neuer sitzt bald auf seinem Platz. Ansonsten ändert sich nichts, außer dass Karl gekündigt wird. Zusammen mit dem Betriebsratsvorsitzenden und der Gewerkschaft setzt Karl einen Streik für seine Wiedereinstellung durch, der auch gelingt. Von den Akten will allerdings bald niemand mehr etwas wissen, auch die Gewerkschaftszeitung bringt keine Zeile darüber. Karl aber will Gerechtigkeit und überlegt fieberhaft, was er tun kann. Bald kommen ihm erste Zweifel, ob das alles überhaupt einen Sinn hat.
Mit dieser Rahmenhandlung zu einem heute sehr aktuellen Thema sind viele kleinere Erzählstränge verbunden, die die Figuren zum Leben erwecken und den Leser nach und nach in die Geschichte hineinziehen. Karl kann z.B. aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr LKW fahren und wird in die Werkstatt versetzt, vor der Ödnis zu Hause flieht er täglich in die Kneipe, zwischen Karl und seiner Sekretärin entwickelt sich ein eigenartiges Verhältnis und seine kluge und engagierte Tochter angelt sich den falschen Mann. Die Atmosphäre der 70er Jahre ist fremdenfeindlich, Baracken werden angezündet, ständig wird zu den Besserverdienenden auf der anderen Straßenseite hinübergeschielt.
Karl macht die beängstigende Erfahrung, dass er sich auf niemanden wirklich verlassen kann, auch auf die Gewerkschaft nicht, und dass Hintergründe und Zusammenhänge oft undurchschaubar sind. Ein kluger Roman, der sich sehr gut lesen lässt und gleichzeitig zum Nachdenken anregt - in neuer Auflage mit modernem Cover und drei zusätzlichen Texten von Max von der Grün.