Um es vorweg kurz zu machen:
Roger Schaller ist mit seinem Buch
eine praxisnahe, gut lesbare und sehr
informative Lektüre gelungen.
In einigen Fachbüchern wird das Rollen-
spiel aus dem Psychodrama ausgegrenzt.
Die Drehbücher wären zu exakt, die Rollen
dadurch zu eng definiert und die
Zur-Schau-Stellung der Innenwelt kaum
mehr möglich.
Roger Schaller beweist mit seinem
Buch, daß das Ein-Personen-Rollenspiel
zurecht seinen Platz im Psychodrama
einnimmt.
Bereits in seiner Einführung gelingt es ihm, Rollenspiel-Theorien verschiedener Ansätze wie Psychodrama, Gestalttherapie und Verhaltenstherapie einander gegenüberzustellen.
Bevor er sich einzelnen Spielvarianten widmet, gibt Schaller zuerst eine gelungene Einführung in die Theorie: Was sind Rollen ? in welchen Welten bewegt sich das Rollenspiel ? Wie ist die Bühne beschaffen ?
Danach ordnet er das Ein-Personen-Rollenspiel vier Anwendungsformen zu. Dadurch wird sehr gut deutlich, daß es mit ganz unterschiedlichen Zielsetzungen eingesetzt werden kann: Ob in Diagnostik, Exploration, als Ritual oder im Training. Zu allen vier Bereichen liefert er praktische Anwendungsbeispiele, die auch ungeübten Lesern zugänglich sind. Das Handbuch qualifiziert nicht für den sofortigen professionellen Einsatz in der Beratungs- oder Therapiepraxis. Es ersetzt auch keine Ausbildung. Vielmehr macht es Lust tiefer ins Thema einzusteigen oder anhand einfacher Anliegen die Dinge auszuprobieren. Damit ist viel erreicht.
Für die Anwendung besonders spannend ist das Kapitel Techniken". Hier stellt uns Roger Schaller verschiedene Interventionsarten vor, die je nach Anwendungsform, Beratungsanliegen und Kliententyp alternativ angewendet werden können: Skulpturaufstellung, Rollenwechsel, Tauschen, Doppeln, Rollendialog oder Zur-Seite-Sprechen sind nur einige der präsentierten Möglichkeiten, jeweils mit Praxisdialogen Berater-Klient. Dadurch werden die Fälle noch lebendiger.
Den größten Teil widmet Schaller dann dem praktischen Einsatz des Ein-Personen-Rollenspieles in den genannten vier Anwendungsformen. Es ist spannend zu erfahren, wie unterschiedlich die Umsetzung und Ergebnisse sein können, wenn sie sich an differenzierten Zielen orientieren.
Womöglich ist das Rollenspiel den meisten Anwendern in erster Linie als exploratives Verfahren bekannt. Die verbal-kognitive Herangehensweise wird ersetzt oder ergänzt durch ein Erkennen und Verstehen im Spiel. Dadurch kann Klarheit über eigene Bedürfnisse und Ziele entstehen.
Das Rollenspiel bietet jedoch mehr: Bewerten, Einordnen, Benennen, Symbolisieren und Lernen am Modell gehören ebenso dazu. Dadurch erweitert sich das Einsatzrepertoire beachtlich.
Das Buch von Roger Schaller nutzte ich als Ideenquelle für die Gestaltung eines Seminartages zum Thema Psychodrama - Ein Rollenwechsel". Der hohe praktische Relevanz, die nachvollziehbare Einführung und die vielen Beispiele waren dabei von unschätzbarem Wert. Bei den Teilnehmern stieß das Buch als Ansichtsexemplar ebenfalls auf großes Interesse, weil es als Softcover-Ausgabe mit seinen gut 200 Seiten ein griffiges Arbeitsmanual ist.
Horst Lempart