Claudia Rossbacher legt mit Steirerblut" einen spritzigen Krimi vor. Rund um den Mord an einer Enthüllungsreporterin in der Nähe von Murau, in St. Raphael - einem fiktiven Ort - spannt sich ein spannender Plot aus. Dabei legt Rossbacher geschickt Fährten in verschiedene Richtungen und packt damit mehrere brisante Themen an: so spannt sich der Bogen von Korruption und Wirtschaftskriminalität über Cyber Kriminalität und Sexualdelikte.
Ermittelt wird von Sandra Mohr, einer politisch korrekten Ermittlerin und Sascha Bergmann, der den Herausforderungen des Berufs oft mit Sarkasmus begegnet. Ein Team, welches mit vielen Reibungspunkten versehen ist und auch den privaten Teil der Krimireihe ansprechend darstellt.
Rossbacher erfindet das Rad nicht neu, weiß aber, wie sie die Elemente klug kombinieren kann, um einen gefällig zu lesenden Krimi zu schreiben, der unterhält und in sich logisch und schlüssig ist. Rund um ein Buch mit welchem man zufrieden sein kann. Wenn man zu motschgern beginnt, tut man dies sicher auf hohem Niveau, aber dennoch gibt es einen Punkt der mich am Buch gestört hat. Auch wenn ein Roman natürlich immer ein Roman bleibt und Rossbacher das Flair der Region vor allem in den Personen einfängt und auch thematisch über erstaunliche Beobachtungen den Lokalkolorit auf Papier bannt, so muss sich die Realität doch über weite Strecken der Story unterordnen. So wäre dies wohl der letzte Fall einer Polizistin, die in einem Fall sehenden Auges trotz einer Befangenheit weiterermittelt, zumal sie damit selbst in die Nähe eines strafbaren Amtsmissbrauches gelänge. Weitere Ungenauigkeiten, wie dass die örtlich falsche Staatsanwaltschaft agiert oder Erfordernisse zur Einholung von Mundhöhlenabstrichen, stören nicht, aber der Aspekt der Befangenheit stellt letztlich auch ein zentrales Element des Krimis dar und würde somit letztlich in der Form nicht funktionieren.
Wie gesagt, dass ist Motschgern auf hohem Niveau. Im Großen und Ganzen ein Krimi, der mich Voll und Ganz überzeugt hat, indem er nicht krampfhaft neu, aber aktuell ist. Leicht zu lesen und dennoch tiefer schürft als ein 0815 Fall. Helden hat, die nicht perfekt sind, aber auch nicht kaputt. Dem nächsten Band sehe ich jedenfalls mit Freude entgegen.