Immer noch stellt sich in der BRD die Frage, wie soll man mit den architektonischen Hinterlassenschaften der Zeit zwischen 1933 und 1945 umgehen? Abriß sagen die einen, erhalten und bewahren die anderen.
Aktuelle Beispiele sind die Diskussionen über die Nutzung der Ordensburg Vogelsang in der Eifel nach dem Abzug der belgischen Armee und die Umgestaltung des Obersalzberges nach dem Fortgang der amerikanischen Streitkräfte. Was macht den Umgang mit Bauwerken aus der NS-Zeit eigentlich so schwer? Sind Steine und Bauwerke belastet" oder gar schuldbeladen"? Können Steine böse" sein?
Fast hat es den Anschein, denn sonst gäbe es keine Filme mit Titeln wie Brutalität in Stein" oder Bücher, die Böse Orte" heißen müssen. Geradezu erfrischend ist dagegen die Darstellungsweise in der zweiteiligen Filmdokumentation Steinerne Dokumente". Lange bevor Steine brutal oder Orte böse" wurden, erfanden die Produzenten den filmischen damals und heute" Vergleich für architektonische Hinterlassenschaften des NS Regimes.
Während der erste Teil der Dokumentation von Norden nach Süden vorgehend, beispielhafte Bauwerke von ihrer Entstehung bis zum heutigen Zustand kenntnisreich vorstellt. Nähert sich der zweite Teil themenbezogen den drei NS-Ordensburgen Vogelsang, Sonthofen und Crössinsee.
Seltene historische Filmaufnahmen des Koloß von Rügen", dem KdF Seebad werden heutigen Aufnahmen gegenübergestellt. Es folgen kommentarreiche Ausfühungen über die Baumaßnahmen in Berlin, Nürnberg, München und Berchtesgaden. Wobei die aktuelle Problematik des Abreißens oder Erhaltens von den Filmemachern kritisch aufgezeigt wird.
Von den Autobahnen und Siedlungsprojekten zu den Ordensburgen des Führernachwuches" spannt sich der Bogen im zweiten Teil der Dokumentation. Wenig oder zum Teil noch nie gesehene historische (auch privat gedrehte) Filme und die bisher einzigen Filmaufnahmen aus der heutigen polnischen Kaserne (ehemalige Ordensburg Crössinsee) machen den besonderen Wert für historisch interessierte Menschen aus.
Ohne Filmfördermittel des Staates und nur aus dem schmalen Budget eines jungen Unternehmens wurde hier ein Projekt mit Beispielcharakter realisiert. Überrascht und erfreut haben die Zeitreisenden" aus dem Ruhrgebiet jetzt mit einem neuen Kalender und Reiseführer Steinerne Dokumente 2009", der jeden Monat ein interessantes Bauwerk im damals und heute Vergleich präsentiert und wichtige Informationen zu Architekten, Baugeschichte und Tips zu guter Gastronomie liefert. Begeben Sie sich doch auch auf eine Zeitreisen und besuchen Sie ein geschichtsbedeutsames Bauwerk in ihrer Nähe.
Übrigens - es fallen mir immer wieder die gleich Rezensenten bei Amazon auf, die Produkte einer bestimmten Firma hochloben und deren Mitbewerber schlecht schreiben. Wer es nötig hat ...