Ofer, Rachelas Sohn, kommt bei einem Rekrutenscherz ums Leben, "gefallen in Erfüllung seiner Pflicht" steht auf dem Grabstein. Rachela, die Bildhauerin ist, sprengt den Stein und setzt eine Statue aus ihrer Werkstatt an die Stelle mit der Inschrift "ermordet von seinen Vorgesetzten".
Sie lässt nicht locker, organisiert sich mit andern Müttern getöteter Soldaten, besucht mit Transparenten bewehrt die Gerichtsverhandlung um den Tod des Sohnes. Sie genießt in Gesellschaft und Justiz einen eigenartigen Status: Auf der einen Seite wagt keine offizielle Stelle, gegen Rachela vorzugehen, weil sie als Mutter eines Gefallenen tabu ist, auf der andern Seite verschanzen sich Ämter und Behörden hinter Gesetzen, Vorgaben und Bestimmungen um sich Rachela und andere Frauen vom Hals zu halten.
Ein Stück weit ist Rachelas Kampf blind und egoistisch. Ihre Familie, der Ehemann und die andern Kinder, wenden sich ab. Rachelas Art, die Trauer umzuleiten in Wut gegen Militär und Justiz, kann niemand folgen. Und Rachela möchte nicht den Weg ihres Mannes Jankele, den Weg der ruhigen, stillen und zurückgezogenen Trauer gehen. Weil aber keiner bereit ist, dem anderen seine individuelle Art zuzugestehen, sondern beide auf ihr Recht pochen, zerbricht das gegenseitige Verständnis.
Das Buch folgt Rachela ab dem Zeitpunkt, wo sie den Grabstein in die Luft jagt. Jedes Kapitel wird durch den Blick eines anderen Beteiligten erzählt, der Friedhofswächter Boris hat Rachela viele Nächte hindurch beobachtet, der Sohn Nadav sieht die Eltern auseinander driften, dem Richter Rafael Neuberg, Vorsitzender des Gerichts, das die Verantwortung an Ofers Tod klären woll, stehen nur zwei Angeklagte als Bauernopfer zur Verfügung.
Leider geraten die Kapitel, in denen Rafael Neuberg das Wort hat, zur juristischen Vorlesung, weil er seinen beiden Beisitzern, Majore ohne Ahnung von juristischen Feinheiten, einen Schnellkurs in Rechtsprechung geben muss. Vielleicht wollte die Autorin ihren Lesern nahe bringen, worauf die Urteile in israelischen Gesetz gegründet sind und warum sie so und nicht anders ausgesprochen werden müssen. In Major Weizmann hat Gur eine Figur erschaffen, die ihr eigenes System in Frage stellt, denn eins ist sonnenklar: Recht und Gerechtigkeit sind zweierlei Dinge. Was das angeht, unscheidet sich Israel von keinem andern Staat und seine Armee von keiner anderen.