Während des Borbarad-Kriegs steht die Familie Isenborn, Herrscher über ein Junkergut in der Schwarzen Sichel, vor einer schwierigen Entscheidung: Hält sie dem Kaiser die Treue oder schlägt sie sich auf die Seite des Schwarzmagiers? Als ihr Hofmagier der Versuchung des verbotenen Wissens erliegt, ist die Entscheidung gefallen...
Bernard Craw wollte mit dem Isenborn-Zyklus ein Werk der Military Fantasy schaffen. Das ist ihm auch gelungen; man hat bei der Lektüre stets das Gefühl, man würde den Figuren eines Tabletop-Spiels zusehen, die ihre Kämpfe austragen. Leider geht das zu Lasten der Geschichte, denn außer dass sich die Charaktere in Duellen, Scharmützeln und Schlachten die Schädel einschlagen, passiert nicht viel. Einen Mangel an Handlung kann man nicht durch Action ersetzen.
Zweiter Kritikpunkt sind die Charaktere, die größtenteils flach und klischeehaft bleiben: Fiana könnte glatt von Hohlbein sein (hohe moralische Ansprüche, aber grenzdebil); Falk will Knappe werden und sonst gar nichts; Cyron ist der typische gescheiterte Magier usw. Durch die hohe Anzahl an Hauptfiguren und die damit verbundenen häufigen Perspektivenwechsel wirkt das Buch vor allem am Anfang sehr episodenhaft und wenig zusammenhängend; ein roter Faden fehlt. Das bessert sich aber im letzten Drittel.
Dritter Kritikpunkt ist der Umgang mit dem Hintergrund. Alles in allem verfügt der Autor zwar über ein solides aventurisches Fachwissen, die Darstellung der Goblins enttäuscht aber teilweise. Der Mangel an Organisation der Rotpelze wird zwar wunderbar geschildert, ansonsten wirken sie aber nicht wie ein primitives, sehr vorsichtiges (vulgo: feiges) Volk, dem Überleben über alles geht, sondern eher wie suizidgeiles Schwertfutter - eine Darstellung, die man eigentlich seit DSA1 hinter sich gelassen hat. Regeltechnisch sind zwar alle Goblins unstet und mit einem KL-Malus von zwei Punkten geschlagen, aber unstet bedeutet kein ADHS und mit einem durchschnittlichen KL-Wert von 9 oder 10 sind Goblins zwar nicht besonders helle, aber auch keine Vollidioten.
Der letzte Kritikpunkt ist der Stil mit seinen zahlreichen Wiederholungen. Man fragt sich, wann die Leute überhaupt zum kämpfen kommen, wenn sie sich ständig mit der Faust vor die Brust schlagen oder betonen, wie eisern sie doch sind.
"Isenborn I: Stein" krankt an den selben Problemen wie Bernard Craws letzter Roman "Im Schatten der Dornrose": Dünne Handlung, flache Charaktere und recht großzügiger Umgang mit dem Hintergrund. Wem der Ausflug nach Oron gefallen hat, sollte daher auch "Isenborn" mögen. "Isenborn" ist übrigens nicht mehr ganz so düster wie die ersten beiden Aventurien-Romane des Autors, aber immer noch weit von einem Kuschelaventurien entfernt.
Empfehlenswert außer für Fans des Autors ist der Roman eventuell noch für Armalion-Spieler oder generell Tabletop-Freunde, die sich hier heimisch fühlen könnten.