Steffi Graf, das ist: Grand-Slam-Königin, Olympiasiegerin, 187 Wochen ohne Unterbrechung die Nummer 1 der Weltrangliste, Welstportlerin. Steffi Graf, das ist auch: eine Profi-Tennisspielerin, die mit nicht einmal 13 Jahren in den Circuit eingestiegen ist. Sie hat mit dem Verlust von Kindheit und Jugend einen hohen Preis für ihre Traumkarriere zahlen müssen. Ob das mit Geld, Zufriedenheit mit der eigenen sportlichen Leistung und Anerkennung aufzuwiegen ist, kann nur sie allein beantworten. Nicht umsonst achtet sie noch heute sorgsam darauf, wenigstens einen Rest von Privatheit vor dem Zugriff der Öffentlichkeit retten zu können.
Hans-Dieter Schütts Buch habe ich zunächst nur mit spitzen Fingern angeblättert. Auch der naive Zeitgenosse hat mittlerweile das "Tontaubenschießen" der Yellow Press erkannt: geplantes Hochjubeln in übermenschliche Höhen - organisierter Abschuß folgt garantiert. Das hat auch bei Steffi Graf bestens funktioniert. Über ein Jahr schwankten ihre Leistungen auf dem Tennisplatz. Oder die Osnabrücker Popgruppe "Angefahrene Schulkinder", die sich nicht entblödete, einen Song "I want to make love to Steffi Graf" zu kreieren. Oder der Romancier A. Skármeta, der in seinem Buch "Sophie Mass" den Lolita-Stoff mit Steffi-Graf-Popularität mischte.
Hans-Dieter Schütt ist zum Glück ein seriöser Autor. Sein Buch ist gründlich recherchiert und von solidem Fachwissen geprägt. In seinem Vorwort umkreist der die Persönlichkeit von Steffi Graf, ohne je zudringlich zu wirken, aber auch ohne unglaubwürdige Hagiographie zu betreiben. Der Leser lernt eine nachdenkliche junge Frau kennen, die der unbarmherzigen Erwartungshaaltung Paroli bot, indem sie sich nur auf sportliche Zielsetzungen festlegen ließ. Sympathisch, daß sie nie daran dachte, sich zugunsten einer größeren Werbewirksamkeit zu verbiegen.
Der Hauptteil des Buches besteht aus Zitaten von Steffi Graf, die der Autor in Presse-, Rundfunk- und Fernseharchiven aufgestöbert und in über 400 Stichwörtern zusammengestellt hat. Ob dieses Verfahren glücklich gewählt ist, wenn z.B. "Alter", "Amerika", "Anfängerin" oder "Zeitung", "Zipperlein" und "Zirkus" aufeinanderfolgen, mag dahingestellt bleiben. Sicher ist jedenfalls, daß der Leser aus dem Buch Gewinn ziehen kann, ohne sich als Voyuer fühlen zu müssen.
Im Anhang wird Grafs Karriere mit Zahlen und Fakten dokumentiert.