Anlässlich des 125. Geburtstags von Stefan Zweig ist nun diese Biographie von Oliver Matuschek erschienen, die dem meistgelesenen Schriftsteller seiner Generation auf besondere, äusserst lesenswerte Art gerecht wird.
Inspiriert durch Zweigs Lebenserinnerungen "Die Welt von gestern", oder vielmehr deren Aussparungen, widmet sich Oliver Matuschek den "Drei Leben" des österreichischen Weltbürgers, dessen Novellen, biographischen Romane und eben jene Lebenserinnerungen bis heute populär geblieben sind.
Zweigs großbürgerliche, jüdische Herkunft, die ersten schriftstellerischen Versuche, die schwärmerische Verehrung für Emile Verhaeren und Romain Rolland und viele Reisen, die ihn bis nach Indien führen, kennzeichnen die Zeit bis zum ersten Weltkrieg.
Seine Ehe mit Friederike von Winternitz, die großen Erfolge, die Kontakte zu allen Größen seiner Zeit, seine Leidenschaft für das Sammeln von Autographen und Jahre der Betriebsamkeit, die auch nicht erlahmt, als der Pazifist Zweig bereits das drohende Übel der Nationalsozialisten voraussieht, markieren das "zweite Leben".
Schließlich die Jahre nach 1934, Zweigs Abschied von Österreich, seine zweite Ehe mit seiner Sekretärin Lotte, die Flucht aus Europa -- ein Emigrantendasein zwar in gesicherten finanziellen Verhältnissen aber ohne wirkliche Heimat, lassen Zweig - der stets zu Depressionen neigte - allen Lebensmut verlieren. In Brasilien nimmt er sich gemeinsam mit seiner Frau Lotte 1942 das Leben.
Die unterschiedlichen Stationen im Leben Zweigs, seine geistige Haltung, seine bei Kollegen und Freunden beliebte hilfsbereit-joviale Art, aber auch die Einsamkeit des Vielgeehrten lotet Oliver Matuschek gekonnt aus.
Seine Biographie ist gründlich und fundiert und dabei ungeheuer spannungsreich und vielschichtig in den geschichtlichen Rahmen eingebunden. Oliver Matuschek ermöglicht dem Zweig-Freund einen tiefen Einblick in ein Schriftstellerleben, dass trotz allem Glanz ein so tragisches Ende nahm. Sehr lesenswert!