Es war ein bewegtes Leben, das am 28. November 1881 als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Textilunternehmers begann und am 22.Febraur 1942 im brasilianischen Petrópolis mit Selbstmord endete. Das Buch, das die 60 Jahre von Stefan Zweig dokumentiert, besticht durch seine Fülle an Details. Und lenkt den Blick insbesondere auch auf den Mann abseits seiner publizistischen Leistungen. Es ist eine umfassende Biografie, die sich, wie der Titel schon andeutet, sehr eingehend mit Zweigs Salzburger Jahren beschäftigt.
Nach Kriegsende lässt er sich 1919 in der Stadt an der Salzach nieder, bewohnt das so genannte " Paschinger Schlössl" am Kapuzinerberg, setzt es in Stand, legalisiert 1920 sein jahrelanges Verhältnis mit der geschiedenen Journalistin Friderike von Winternitz, die ihrerseits zwei Töchter mit in die Ehe bringt.Seine Frau hält ihm den Alltagskram vom Hals, recherchiert für ihn in Archiven, besorgt Literatur und übernimmt alle Sekretariatsarbeiten, während sie ihre eigenen schriftstellerischen Tätigkeit selbstverständlich hintan stellt. Insgesamt 14 Jahre verbringt Stefan Zweig in Salzburg und wird doch nie so richtig "heimelig".
Nach einer polizeilichen Hausdurchsuchung am Kapuzinerberg 5 und auch der Tatsache, dass sich die Eheleute mit den Jahren entfremdet haben ( die Scheidung folgt erst 1938), übersiedelt Stefan Zweig 1934 nach England. Friderike bleibt in Salzburg, um den Verkauf der Liegenschaft abzuwickeln, der sich letztendlich über Jahre hinzieht. Für die Zweigs beginnt ein unappetitlicher, schikanöser Spießrautenlauf mit den Nazibehörden, nicht nur um den Kaufpreis ( der ohnehin schon ein Hohn war), sondern auch das Inventar ( das nach Kriegsende natürlich nur auf Antrag und auch nur teilweise rückerstattet wurde, während vieles angeblich bis heute als "verschollen" gilt ), Bankguthaben etc. - eine Zeit, in der sich Salzburg und seine Bürger nicht gerade mit Ruhm bekleckern. So war Salzburg beispielsweise die einzige österreichische Stadt, in der zu es Bücherverbrennungen kam. Und auch jene von Stefan Zweig sollten "die Flammen fressen wie alles jüdische Geschreibe".
Das Buch ist eine Fundgrube mit vielen bisher unveröffentlichten Dokumenten. Es endet auch nicht mit dem Tod von Stefan Zweig, sondern setzt sich ausführlich mit der beschämenden, allzu gerne verdrängten österreichischen Geschichte nach 1945 auseinander. Der Autor hat im Zuge seiner Recherchen z.B. auch herausgefunden, dass Stefan Zweigs Aberkennung der Doktorwürde posthum nie rückgängig gemacht wurde. Erst auf diese Enthüllung hin kam es 2004(!) zu dessen Rehabilitierung. Bravo und danke dafür, dass hier endlich die Dinge beim Namen genannt wurden.