Gerade bin ich von knapp sechs Wochen Rucksackurlaub aus Peru und "Westbolivien" zurück.
Dieses Buch bietet einen guten Überblick und ist dabei spezieller auf mitteleuropäische Ansprüche ausgerichtet als der Lonely Planet. Die Informationen zu kulturellen und geschichtlichen Hintergründen sind sehr gut, teilweise leider etwas kurz. Es werden schöne Routen/Plätze etc. empfohlen, die abseits der Touristenpfade liegen.
Sehr gut ist die Angabe weiterführender Literatur zu speziellen Themen.
Leider waren einige Informationen nicht immer korrekt, Karten und Stadtpläne ungenau und trotz Aktualisierung 2007 manche Recherche offensichtlich älter als zwei Jahre. Dies bezieht sich insbesondere auf weniger frequentierten Sehenswürdigkeiten. Das sind allerdings nicht wirkliche k.o.-Kriterien.
Insgesamt ist das Buch sehr hilfreich, wenn man viel ohne Guide und ohne Agenturen reisen will. Die Angaben zu Preisen, Verkehrsverbindungen und Unterkünften waren fast ausnahmslos aktuell, was für diese Reiseziele schon erstaunlich ist. Wermutstropfen: manche Unterkünfte, die empfohlen wurden, waren böse Absteigen. Ist natürlich Geschmackssache, genauso wie die Restauranttips. Nicht alles was erwähnt wird ist wirklich erwähnenswert, aber ein Gourmet ist hier sowieso fehl am Platze.
Was definitiv schlecht ist:
1. nach einer Woche haben sich trotz "unverwüstlicher Fadenheftung" (O-Ton Verlag) und schonendster Behandlung Seiten herausgelöst.
2. der Qetchua-Sprachteil ist ungeeignet und ohne Lautschrift sowieso sinnlos (wurde mir von Idios gesagt)
3. die Website, die angeblich Aktualisierungen enthalten soll ist völlig wertlos und enthält auch noch falsche Angaben (die Aussagen zu den Auswirkungen des Erdbebens sind falsch - es sollte zumindest drinstehen, dass einige der empfohlenen Hostals zusammengefallen sind, geschlossen haben und der Rest mal eben die Preise verdoppelt hat, Sehenswürdigkeiten kaputt sind und dass man speziell Pisco als Gringo nicht besuchen sollte.)
4. Die Sicherheitshinweise sind gut und richtig, es fehlt aber ein Hinweis, dass sehr viel Falschgeld im Umlauf ist (Soles und Dollar) und das teilweise auch Falschgeld aus Bankautomaten kommt (in Trujillo und Arequipa z.B.)
Fazit: Ein recht guter Reiseführer mit schönen Details, dazu kompakt und schnörkellos. Ich würde ihn wieder kaufen, weil ich keinen besseren gefunden habe. Der Preis ist, wie bei diesen Führern, recht hoch. Ein Zyniker würde vielleicht überlegen, statt das Buch zu kaufen fürs gleiche Geld einen Guide füre ein paar Tage anzuheuern und sich die restlichen Infos, Karten etc. kostenlos von i-Peru zu besorgen. ;o)