Dieses Buch trennt Geister. Wer eine lustig-lockere Strandlektüre sucht, wer nicht gewillt ist, hinter die äußerlich banal scheinende Story zu schauen, wer einfache Alltagssprache sucht, wird das Buch unzufrieden weglegen. Wer denkt, einen heiteren Ex-und-Hopp-Roman gekauft zu haben, wird das Buch sogar hassen.
Denn die Autorin stellt Ansprüche an ihre Leser. Dafür bin ich ihr dankbar, denn ich stelle Ansprüche an ein gutes Buch, das mehr sein soll als kurzweilige Unterhaltung.
Gekonnt spielt sie mit den Klischees verschiedener Genres, mit den Erwartungen, die das scheinbar so Triviale weckt. Aber da ist mehr dahinter. Ihe Figuren sind aus Fleisch und Blut, haben Macken und Kanten. Umso lieber identifiziert man sich mit ihnen und vergisst sie auch hinterher nicht. Es passt auch zur Protagonistin, die ja für die Trivialindustrie arbeitet, da ist einiges an Medienkritik gut verpackt versteckt.
Auch sprachlich stellt sie Ansprüche. Das ist nicht die unauffällige Alltagssprache, die man in einem Taschenbuch erwartet, sondern stellenweise Literatur. Manchem mag das schwer im Magen liegen, in meinen Augen verleiht es der Geschichte zusätzliche Tiefe und eine Menge schwebender Assoziationen zum eigenen Leben der Leserin. Überhaupt habe ich mich an sehr vielen Stellen in diesem Buch selbst wiedergefunden, ich hätte meine Befindlichkeiten nur nie so treffend beschreiben können.
Sie hat Mut, die Autorin, eine Protagonistin nicht als toughes Superweib zu konstruieren, sondern eine verletzte, verletzliche Frau zu zeichnen, die warmherzig und lebenshungrig zu ihren Emotionen steht. Nach einer Phase zwischen Trauer und Getriebensein, zwischen Torschlußpanik, Hysterie und Krise findet sie langsam zu sich selbst und einem neuen Lebensweg. Genau das macht es so glaubhaft!
Es ist damit sicher ein Buch, dass die Leser in zwei Lager trennt. Ich habe lange darauf gewartet, dass mich ein Frauenroman so fordert und mir so viel gibt. Ich bin froh, dass es wieder solche Bücher gibt.