Zunächst muß ich anmerken, daß dieses Buch die erste O'Reilly Publikation ist, die ich in der Hand halte, deren Bezug des Covermotivs zum Titel ich ohne Sekundärliteratur ( die auch ein Motiv trägt, deren Bezug zum Inhalt nicht sofort ersichtlich ist ) verstehe. Das sowas nochmal passiert...
Aber wir reden ja vom Inhalt.
Steampunk ist eines dieser Phänomene, die sich seit einiger Zeit weltweit ausbreiten, mancherorts früher und in Deutschland später. Die Szene ist noch sehr jung und es gibt viele Meinungen, was Steampunk sein soll, und wo es hingehen soll. Alex Jahnke und Marcus Rauchfuß versuchen sich hier dem Thema anzunehmen und dem Leser einen Überblick zu verschaffen, worum es eigentlich geht und wo der Steampunk gerade steht.
Die beiden Autoren haben ihren 180 seitigen Inhalt in neun wohlüberlege Kapitel und eine Einleitung strukturiert, die einem die Facetten des Genres aufzeigen:
Ein kurzer Exkurs zu drei stereotypischen Steampunkern mit den dazugehören Tagebucheinträgen der Charaktere.
Das Genre wird umrissen und in groben Zügen definiert mit dem Hinweis darauf, daß die genaue Definition des Steampunk kein leichtes ist.
Eine wunderbar ausgeholte Erklärung - von Jules Vernes bis Cyberpunk - wie es zu der Begrifflichkeit des Steampunks überhaupt kam, bzw. kommen konnte.
Der Bezug des Steampunks auf reale Geschichte und soziale Strukturen. Warum der Wissenschaftler damals noch verrückt sein durfte und nicht nur effizient sein mußte.
Beschreibung der weltweiten Hackerszenen und Makercommunities mit Bezug auf ihr Zusammenspiel mit dem Genre. Folgend eine Betrachtung der politischen Ausmaße von Steampunk.
Ein guter Überblick in der Kürze, wie Steampunk als Literaturgattung einzuordnen ist und welche Vorläufer es gab.
Steampunk als Grundlage für Spiele aller Art.
Was für Kunst, Musik und Handwerk gibt es in der Szene?
Eine Übersicht, über steampunkige Filme, oder solche, die mit Elementen daraus arbeiten.
Wo trifft man Steampunker in der freien Natur, wenn sie sich aus ihren Werkstätten trauen?
Allein diese Kurzusammenfassung der Kapitel sollte eines zeigen. Die Herren Jahnke und Rauchfuß, die ich beide guten Gewissens als Urgesteine der deutschen Steampunkszene bezeichnen möchte, glänzen durch Wissen und Erfahrung in einem weit höheren Maße, als es für eine Person, die einfach "nur" Teil der Szene ist, üblich wäre. Das sorgt dafür, daß man überall im Buch Verweise auf die deutsche Szene findet und man nicht nur davon träumen kann, wie es in anderen Ländern aussieht. Ihnen gelingt auf knapp 200 DinA5 Seiten eine weitumfassende Übersicht der Entwicklung Szene bis zum heutigen Tag. Das Buch macht verständlich, warum es so viele Strömungen innerhalb des Steampunks gibt und warum es so schwer ist, eine allgemeine Definition zu erfassen.
Das Werk ist weder Roman, Sachbuch, Lexikon, Bildband oder Lehrbuch. Es ist etwas von allem, in kurz und knackig, mit einer Prise guten Humors.
Sicher, in jedem Kapitel mag man etwas vermissen, was einem selber wichtig ist und man gerne in so einem Werk gelesen hätte. Aber ebenso findet man dann unerwartete Informationen, die das dann wieder aufwiegen. Es ist ebenso klar, daß dieses Taschenbuch nicht als allgemeingültige Enzyklopedie für das Thema Steampunk zu sehen ist. Den beiden Autoren ist es in einem wunderbar erfrischenden Schreibstil gelungen ein wenig mehr Licht auf das Genre zu werfen und einfach mal in alle Ecken zu schauen, wo es sich verstecken könnte. So ist dieses Buch geeignet für jene, die schon fest in der Szene verwurzelt sind, trifft man ja auch in den Texten und Verweisen alte bekannte der deutschen Szene wieder, und jene anderen, die sich einfach nur mal über das Thema informieren wollen.
Für mich neben anderen Werken ein Stück Pflichtliteratur für die Szene.
Außerdem... ein Steampunk Buch von O'Reilly... yeah! :)