Die Stadt Schierling im Jahre 5 nach den blinden Tagen. Der Bizarromant Heinrich Lerchenwald (ein okkulter Wissenschaftler, wenn man so will) und seine Kollegen vom Leonardsbund (privatisierte okkulte Ermittler) Frau D. und der Robotermensch Herr Hirschmann (dessen beeindruckende Gestalt das Cover ziert) sehen sich mit einem merkwürdigen Fall konfrontiert, der einen Untoten Einbrecher, die Leiche eines kleinen Mädchens und ein geheimnisvolles Organimplantat (das Titel gebende Kupferherz) involviert.
Außerdem wird Lerchenwald zusätzlich noch von den Mitgliedern des Kalendarischen Ordens ,besucht', was er zwar mit erstaunlicher Gelassenheit nimmt, ihn jedoch gleich zu Beginn der Geschichte eine Tür kostet.
Wie hängt all dies miteinander zusammen?
Das wird im ersten Band der vierbändigen Comicserie 'Steam Noir' (basierend auf dem Rollenspiel ,Opus Anima', dessen Grundregelwerk man sich auch kostenlos runterladen kann nicht geklärt, doch auf jeden Fall wird genug Spannung aufgebaut, um auf jeden Fall neugierig auf den nächsten Band zu machen.
Die wahren Stars des zweiten Gemeinschaftsprojekt von Felix Mertikat und Benjamin Schreuder (die letztes Jahr mit ihren preisgekrönten Comicband ,Jakob' debütierten) sind in Wirklichkeit (wie auch bei Jakob) jedoch die wunderbaren Zeichnungen Mertikats, die den Leser in die mysteriöse, im Äther treibende, Welt Kurip-Aleph entführen und in ihrem Detailreichtum, aber auch mit ihren bizarren (das Lieblingswort dieser Rezension) Design vor seinen Augen eine fremde, wunderschöne Kulisse entstehen lässt, über die man mehr erfahren möchte.
Vorbildlich ist auch der Anhang des Bandes, der Neueinsteiger grob, aber informativ in die Welt einführt und auch die Funktion einiger Organisationen der Welt (darunter auch der weiter oben erwähnte Leonardsbund) und mit drei Pin-Ups (unter anderem eines von Sarah Burrini, die Zeichnerin des Webcomics ,das Leben ist kein Ponyhof') abgerundet wird.
War ,Jakob' schon damals grafisch überragend, aber im erzählerischen Bereich noch etwas unsicher, so kommt ,Das Kupferherz' viel runder rüber, trotz (oder vielleicht auch gerade wegen) des außergewöhnlichen Hintergrunds. Die Geschichte, obwohl sie kritisch gesehen ,nur' der Einführung der Welt und aller handlungsrelevanter Figuren dient, ist wie gesagt spannend, die Figuren Heinrich Lerchenwald, Frau D. und Herr Hirschmann sind sympathisch und die beiden Autoren nehmen sich Zeit, um den Leser behutsam in die Geschichte einzuführen.
Ein gutes Gesamtpaket also, dass seine vier Sterne ohne wenn und aber verdient hat, jedoch vom Rezensenten noch einen fünften Stern als Vertrauensvorschuss für das was da noch kommen mag und auf Grund der (wie schon geschrieben) überragenden Zeichnungen erhält.
Wohlverdient und hoffentlich den hohen Erwartungen in den Folgebänden gerecht.