Aus der Amazon.de-Redaktion
Wenn es einer Band gelingt, über die Zeitspanne von sechs Alben, ihre Musik gegen die üblichen Ermüdungserscheinungen des Musikgeschäfts so erfolgreich abzuschirmen wie Muff Potter, dann ist das zweifellos ein großer Erfolg. Doch das Quartett hat mit
Steady Fremdkörper nicht nur den Status Quo bewahrt. Die elf neuen Songs zählen zu den Besten, was die Formation um Sänger Thorsten Nagelschmidt seit 1993 geschrieben haben. Los geht es auf der neuen Platte noch relativ ruhig. Das introvertierte Ich bin doch kein Idiot lässt dennoch keine Wünsche offen, von der genialen Hookline bis zum entwaffnend offenen Text. Mit Das Finkelmannsche Lachen liefert Muff Potter dann den ersten potenziellen Klassiker ab, gefolgt von dem ungestüm losrockenden Das seh ich erst wenn ichs glaube. Wie gewohnt setzt die Band auch diesmal wieder auf hochemotionale Texte, die mehr Fragen stellen als wohlfeile Antworten liefern. Verpackt haben Muff Potter ihre berechtigten Zweifel am Fortgang der Welt in mitreißende Songs, die man durchaus als angrifflustig bezeichnen darf, ohne das sie dabei jemals den falschen Ton treffen. Tracks wie Das halbvolle Glas des Kulturpessimismus oder Die Guten verströmen, trotz einer gesunden Grundskepsis gegenüber der Banalität des Lebens, genug Energie, um selbst ausgewiesene Skeptiker aus ihrer angeborenen Lethargie zu reißen. Muff Potter haben mit
Steady Fremdkörper die Meßlatte für deutschsprachige Pockmusik jedenfalls wieder ein gutes Stück nach oben versetzt. Der Beifall dürfte ihnen sicher sein.
--Norbert Schiegl
kulturnews.de
Muff Potter kommen aus dem Münsterland, in der Grenzzone zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Auch musikalisch liegen sie irgendwo im Nirgendwo - zwischen dem wutbefeuertem Punk der Beatsteaks und den harmonischen und melodischen Wendungen der zweiten Hamburger Popschule à la Tomte und Kettcar. Zu vergleichbarer Klasse reicht es allerdings in beiden Fällen nicht. Da können die Gitarren noch so herrlich schwungvoll sägen und Nagel mit schönster Thees-Uhlmann-Stimme seine Songs intonieren: "Steady Fremdkörper" klingt wie bereits zigfach anderswo gehört. So ist der Media-Markt-Song "Ich bin doch nicht blöd" nur eine melodische Variation von Tomtes "Die Bastarde, die dich jetzt nach Hause bringen". Durchaus legitim - aber nicht sehr originell. (kw)
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