Gerade mal 40 000 Menschen sollen auf den Färöern leben, von denen dieser junge Singer/Songwriter stammt. Man mag kaum glauben, dass die hoch im Norden Europas gelegenen Inseln ein Riesentalent wie Teitur hervorbringen, der mit "Stay under the stars" eine der schönsten Platten des Jahres 2006 veröffentlicht. Sein englischsprachiges Debüt "Poetry and Airoplanes" (2004) war schon ein ziemlich großer Wurf, mit dem Nachfolger ist Teitur nun auf Augenhöhe mit Kollegen wie Josh Rouse oder Ron Sexsmith angelangt.
Der schüchterne Kanadier Sexsmith ist wohl der beste Vergleich für diese träumerische und doch kraftvolle Popmusik. Mit ihm teilt sich Teitur auch den sensiblen Produzenten Martin Terefe und einige der Studiomusiker. Die Songs auf "Stay..." müssen sich hinter Sexsmiths meisterlichen Liedern nicht mehr verstecken, sie sind sogar noch etwas überzeugender ausgefallen als das aktuelle Material des Kanadiers auf "Time being" (2006). Leonard Cohen, Nick Drake oder Jeff Buckley sind weitere große Namen, die im Zusammenhang mit Teitur immer wieder fallen.
Es fällt schwer, von der CD einzelne Höhepunkte herauszupicken - zu ausgeglichen stark ist dieses Album. "Louis Louis" als liebevolle Hommage an den großen Jazz-Trompeter Louis Armstrong besticht mit wunderbar melancholischem Flair, "You get me" ist ein zärtliches Liebeslied, "I run the carousel" kommt etwas rauer und sperriger daher, riskiert zugleich mehr. Der traumhafte Walzer "Thief about to break in" begeistert als perfekter Popsong, und "Great balls of fire" ist kaum wiederzuerkennen als radikal entschleunigtes Remake des Rock'n'Roll-Fegers von Jerry Lee Lewis (übrigens vor hörbar verblüfftem Live-Publikum). Das beschwingte Pianopop-Stück "Boy, she can sing" hätten bestimmt auch Ben Folds oder Billy Joel gern geschrieben.
Kurz gesagt: Teitur liefert mit diesem kleinen Meisterwerk die wohl größte Überraschung eines bereits sehr ergiebigen Jahrgangs für Songwriter-Platten ab. Bleibt nur zu hoffen, dass der 29-Jährige nicht nur auf seinen Inseln so richtig wahrgenommen wird. Teitur ist reif für die große internationale Bühne.