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Major i.G. Joachim Kuhn (1913-1994), 25. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Stauffenbergs Freund. Die tragische Geschichte des Widerstandskämpfers Joachim Kuhn (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch beschreibt das tragische Leben des Majors im Generalstab (i.G.) Joachim Kuhn (1913-1994).
Joachim Kuhn war Berufsoffizier. Nach dem Abitur 1931 trat er in die Reichswehr ein, mit dem Berufsziel,
Offizier zu werden. 1942 bestand er die Abschlußprüfung an der Kriegsakademie des Generalstabs als Bester
und wurde ins OKH (Oberkommando des Heeres) versetzt. 1943 wurde er schließlich zum Major i.G. befördert.
Als Generalstabsoffizier war Kuhn 1944 Oberst Graf von Stauffenberg unterstellt, mit dem er befreundet war.
Kuhn war häufiger Gast der Familie Stauffenberg. 1943 verlobte er sich mit Claus von Stauffenbergs Cousine.
Kuhn war in die Attentatspläne des 20. Juli 1944 eingeweiht und auch aktiv an der Vorbereitung des Attentats
beteiligt. Er besorgte den für das Attentat benötigten Sprengstoff.
Am 27. Juli 1944 geriet Kuhn an der Ostfront in sowjetische Kriegsgefangeschaft.
Vor seiner Gefangennahme hatte Kuhn heimlich Dokumente vergraben, die seine Mitwirkung am 20. Juli 1944
beweisen konnten. Diese Dokumente wurden von den Sowjets gefunden und wurden nun Kuhn zum Verhängnis, da
sie folgende Pläne beinhalteten: Ermordung Hitlers, Separatfrieden mit England, Frankreich und den USA
und Fortsetzung des Krieges mit der Sowjetunion.
Nun wurde Kuhn vor ein sowjetisches Militär-Tribunal gestellt, als "Kriegsverbrecher" zu einer 25-jährigen
Gefängnisstrafe verurteilt, und als sogenannter "Sonderhäftling" psychisch schließlich gebrochen.
Erst 1956 wurde er nach Intervention Konrad Adenauers entlassen und konnte nun endlich nach Deutschland
zurückkehren.
Der psychisch Kranke Joachim Kuhn lebte nach seiner Haft-Entlassung bei seinen Eltern, die ihn von der
Öffentlichkeit abschirmten, um ihn zu schützen.
Nach dem Tod seiner Eltern lebte er allein und zurückgezogen und starb allein und vergessen in einem
Pflegeheim.
FAZIT:
Ein interessantes Buch über einen Widerstandskämpfer gegen Adolf Hitler und das nationalsozialistische Regime.
Einst ein hochbegabter und hoffnungsvoller junger Generalstabs-Offizier mit sehr guten Aufstiegs-Chancen in der
Militär-Hierarchie und später ein psychisch zerbrochener Mensch, der in "seiner eigenen Welt" lebte und bis zu
seinem Tod nicht mehr in die "Realität" zurückfand.
Der Autor dieses Buches ist ein -inzwischen emeritierter- Geschichtspofessor für neuere Geschichte. Er bekam von
der damaligen deutschen Bundesregierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl den Auftrag, die Rolle Joachims Kuhn als
Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus zu klären.
In akribischer Kleinarbeit trug der Autor alles zusammen, was er über -den bereits verstorbenen- Joachim Kuhn fin-
den konnte. Nach deutscher Intervention durfte er sogar die sowjetischen Archive benutzen. Seine Ergebnisse legte
er -als wissenschaftliches Gutachten- der Bundesregierung vor, die nach Sichtung der Ergebnisse dann bei der russi-
schen Justiz die Rehabilitierung beantragten.
Der russische Staat rehabilitierte Joachim Kuhn schließlich post mortem.
Der Autor veröffentlicht seine Ergebnisse in Form der hier vorliegenden Biographie.
Anerkennen sollte man dabei aber auch, dass sich der heutige russische Staat bemüht, einstige Fehlurteile zu über-
prüfen, bzw. diese zu korrigieren.
Die Veröffentlichung solcher Biographien findet man nicht oft, es sollte sie aber häufiger geben.
Sie sorgte dafür, dass ein "vergessener Widerstandskämpfer" erst sehr spät die verdiente Anerkennung fand und
schließlich auch post mortem vom russischen Staat rehabilitiert wurde.
Daher bewerte ich dieses Buch mit 5 Sternen!!!
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