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24 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Verschenkte Möglichkeiten, 3. August 2008
Dass sich der älteste Sohn des Hitler-Attentäters, Berthold Schenk Graf von Stauffenberg in einem Interview so extrem negativ über die Pläne von Tom Cruise, die Geschichte seines Vaters zu verfilmen, geäußert hatte, lag nach eigenem Bekunden auch an seiner Enttäuschung über diesen Film:
Eigentlich hätte er alle Chancen geboten, die Geschichte der Attentäter des 20. Juli als Spielfilm endlich einmal adäquat wiederzugeben. Da ist zunächst die exzellente Schauspielerriege, angeführt von Sebastian Koch, der nicht nur mitreißend spielt, sondern auch große Ähnlichkeit mit dem Vorbild hat. Auch andere Rollen sind glänzend und mit viel Gespür für die historischen Personen besetzt, z. B. Ulrich Tukur als Henning von Tresckow, aber auch Olli Dittrich als Goebbels.
Weniger passend besetzt ist Axel Milberg als Generaloberst Fromm: Er spielt zwar faszinierend, seine Figur hat aber mit der realen Person Fromm, dessen außerordentlich merkwürdige Rolle bis heute nicht klar ist - war er ein Mitwisser, der kalte Füße kriegte, einer, der ahnte, aber nichts wissen wollte, oder nur sturer Mitläufer - wenig zu tun. Auch der Oberst Mertz v. Quirnheim ist weniger gut getroffen, die Figuren des Generals Olbricht und des Generalobersts Beck bleiben ziemlich blass.
Dass auch sonst viele Details an Kleidung, Ausrüstung u. ä. nicht stimmen, ist lästig, aber notfalls zu verschmerzen.
Was aber den Film wirklich zum Ärgernis macht, sind die extrem hölzernen, dabei auch noch historisch völlig unpassenden Dialoge. Wenn man einen Film macht, der reale Personen zeigt, muss zumindest die Sprache der Zeit beibehalten werden. So wie in diesem Film würde selbst heute kein Soldat mit einem Vorgesetzten sprechen, noch viel weniger in der Nazizeit (da ist z. B. ein Dialog zwischen einem Hauptmann und einem General im Führerhauptquartier, bei dem letzterer abwertend nur mit dem Nachnamen angesprochen wird - undenkbar).
Zudem sind wichtige Episoden (Verabschiedung des Ehepaares Stauffenberg mit Streit) dazu erfunden worden, die nachweislich zumindest so nicht stattgefunden haben und eine Person - in diesem Fall die Ehefrau - schlicht verfälschen. Dies vor allem hat den Sohn so geärgert.
Zu allem Überfluss ist auch die Dramaturgie des Films in sich wenig überzeugend - eher aufwendiger Fernsehfilm als wirklich ein Spielfilm.
Das wäre alles nicht nötig gewesen, zumal sowohl die Familie Stauffenberg als auch die noch lebenden Zeitzeugen - insbesondere der damals im Bendler-Block die ganze Zeit anwesende Ewald von Kleist - sich dem Filmteam zur Verfügung gestellt hatten und inzwischen auch sonst exzellente Materialien vorliegen, die die damaligen Vorgänge minutiös darlegen.
Insofern hat dieser Film seine Möglichkeiten verschenkt. Wer wirklich etwas über den militärischen Widerstand erfahren und dies auf dem Bildschirm sehen will, muss zu dem Dokudrama "Operation Walküre" von 1971 greifen, dass im Prinzip ein Spielfilm mit eingestreuten Interviews der damals noch zahlreicheren Zeugen ist - und trotzdem nicht nur genauer, sondern sogar spannender als dieser Film.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Zu oft an der Wahrheit vorbei, 25. Oktober 2009
"Stauffenberg" - zweifellos ein Film mit lobenswerten Ansätzen historischer Präzision, doch am Ende nicht mehr als eine vage, künstlerische Interpretation des Stoffes. Die schauspielerische Leistung Sebastian Kochs fällt dabei noch angenehm auf, selbst wenn ihn die Drehbuchvorgabe geschichtlicher Unwahrheiten, von denen es im Film einige setzt, natürlich nicht besser machen.
1. Als Einstiegsfilm ungeeignet
Beginnt man gerade, sich mit dem Thema "Operation Walküre" auseinanderzusetzen und fehlt eine solide Vorkenntnis, lässt man besser die Finger von "Stauffenberg". Dies ist kein Lehrfilm für Ahnungslose. Stattdessen hüpft er wild in Handlung und Szenerie hin und her, was es Unbewanderten schwer machen könnte, beiden zu folgen. In dem Fall würde ich gar zur Neuauflage "Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat" raten, die chronologisch deutlich sorgsamer vorgeht und den Werdegang des Unternehmens nachvollziehbar schildert.
2. Zwischen historischer Genauigkeit und nackter Phantasie
Das einzige Laster, was ich dem Streifen vorwerfen möchte, ist leider auch ein besonders schwerwiegendes. Regisseur Jo Baier bleibt zu oft ganz fern der Wahrheit. Beispiele gefällig? Claus erzählte Nina sehr wohl von dem, was er plante, anders als im Film dargestellt. Und er trug ihr auf, brav die dumme Hausfrau zu spielen, wenn es schief gehen sollte und die Gestapo an die Tür klopfen würde. Zudem war Stauffenberg kein Wagner-Liebhaber, wie gleich zu Beginn angedeutet - ganz im Gegenteil. Auch die dort dargestellte Bewunderung Hitlers hat es so weder als einzelne Tat noch als Einstellung gegeben. Allein in puncto Kriegsführung glaubte er bis zum Ende des Frankreichfeldzugs noch an die Qualitäten Hitlers. Unsinn ist wohl auch der so unheimlich verliebte Heiratsantrag in Schuljungenmanier, den er Nina im Film macht. Als er sie kennenlernte, erklärte er auf die Frage hin, weshalb gerade sie diejenige sei, welche, dass er sie für die passende Mutter seiner künftigen Kinder halte. Nina arrangierte sich daraufhin rasch mit der reservierten Art ihres Mannes. Die Ehe des Paares war laut Literatur zum Thema zwar sehr wohl vertrauensvoll, doch nie derart ausgelassen, wie hier suggeriert wird. Weiter: Generaloberst Beck erschien mit gutem Grund nicht in Uniform, sondern in Zivilkleidung in der Bendlerstraße, um Walküre als Bewegung des Volkes kenntlich zu machen. Nicht so in "Stauffenberg". Und das sind nur wenige Fehler von vielen.
Lobenswert hingegen scheinen mir viele Zitate der einstigen Verschwörer, die es tatsächlich 1:1 in den Film geschafft haben. Seien es die beinahe poetischen Ergüsse des Titelhelden, die in Trunkenheit gesprochenen Beschimpfungen Fellgiebels, die Abschiedsworte von Tresckows oder auch die klaren Worte Generalfeldmarschalls von Witzleben gen Roland Freisler im Epilog des Dramas. Schade nur, dass sie doch immer wieder in den Hintergrund treten, weil sich das belesene Publikum über das frei Erfundene ärgern muss.
3. Koch als Steckenpferd
Er mimt den Stauffenberg, er trägt den Film und das, was vom Thema übrig bleibt. Seine Darstellung des Grafen kommt der Wirklichlichkeit, sieht man von den wenigen Ausnahmen, die ihn selbst betreffen, ab, doch verdächtig nahe. Vor allem jedoch gelingt es Koch vorzüglich, Zerrissenheit zu vermitteln. Von einem zunächst empfundenen Gewissenskonflikt zwischen dem auf den Führer geleisteten Eid und dem Wehklagen seines Herzens bis hin zur festen Entschlossenheit, das Ruder herumzureißen. Und als in den letzten Stunden der Operation Walküre Verzweiflung schäumt und Hoffnung schwindet, weiß Koch davon zu erzählen. Er hadert mit seinem Schicksal als Attentäter und folgt dem Ruf doch. Er kann Dramatik erzeugen, Tragik darstellen - allein durch Mimik und Gestik. Wer ihn in "Stauffenberg" gesehen hat, wird den steifen Auftritt Cruise' in "Operation Walküre - Das ..." kaum ertragen.
4. Fazit
Kein Film für jedermann, wie ich finde, da er Anfängern nur schwer erklären kann, was damals wirklich vor sich ging. Wer sich jedoch schon schlau gemacht hat, weiß, worum es geht und worauf es zu achten gilt ... Dann wiederum stören die vielen Falschdarstellungen das Filmerlebnis doch merkbar. In Ermangelung überzeugender Alternativen würde ich ihn Interessenten nichts desto weniger ans Herz legen wollen. Einen überzeugenden Werbeslogan bringe ich jedoch nicht zustande.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Sehr enttäuschend - sowohl filmsch als auch historisch, 9. Dezember 2008
Ich muss - leider - sagen, dass ich von diesem Film zutiefst enttäuscht bin.
Selbst auf Filmbegriffe verkürzt, bietet die Geschichte des 20. Julis einen hervorragenden "Stoff": Da ist das historische Drama, in dem es thematisch immerhin um die Beseitigung eines ganzen Unrechtsregimes ging. Da ist das "Plot", das ja wohl aufregender und spannender kaum sein könnte. Und da sind Charaktere, die mit einer ganzen Palette von persönlichen Motiven in den Widerstand gingen, und die ausserdem in ihrem Widerstand auch noch in der Spannung zwischen ihrem historischen Einsatz (inkl. des ultimativen Opfers) und ihrem privaten Leben mit ihren persönlichen Bindungen und Loyalitäten standen.
Auf keiner der drei Ebenen überzeugt dieser Film.
Was geleistet wird, ist bestenfalls eine Rekonstruktion des reinen historischen Ablaufs des Anschlags vom 20. Juli. Und selbst dabei sind manche der dargestellten Aspekte schlichtweg anachronistisch und zwar spürbar anachronistisch.
Insofern enttäuscht dies sogar als historische Dokumentation: der anfängliche Streit der Stauffenbergs hört sich an wie ein postemanzipatorischen Ehedrama (und damit ist gar nicht gesagt, dass Ehestreit damals nicht möglich war); ebenso anachronistisch ist vieles am Umgangston der Offiziere untereinander; und wer als Interessierter etwas über das allgemeine Klima der Vorsicht unter den Widerständlern gelesen hat, der weiss, dass keiner von ihnen nach drei Sätzen Smalltalk auf einer öffentlichen Kasernentoilette mal eben so ein politische Credo für den Hochverrat abgegeben hätte. Stauffenberg hatte selbst seiner Frau eingeschärft, seine Tat vor den eigenen Kindern zu verleugnen, um sie nicht der Gefahr auszusetzen.
Aber am meisten stören an diesem Film die Dialoge, die so hölzern und aufgesetzt sind, dass sie beim Zuschauen schlichtweg ärgerlich sind. Die Motivation Stauffenbergs zum Widerstand wird so zum Beispiel in wenigen Staccatosätzen des inszenierten Schocks über die Zivilistenerschiessungen an der Front abgetan - das glaubt doch kein Zuschauer.
Es gibt keine Nuancen, kein charakterliches Laut und Leise, keine Schattierungen in der Darstellung der beteiligten Personen. Ihre Dialoge - sei es zu ihren politischen Motiven, sei es zu ihrem gefühlsmässigen Innenleben - hören sich an, wie aufgesagte Sätze eines Schultheaterstückes, zu dem sich Teenager zusammengetan haben, die von ihrer politischen Mission zwar zutiefst (und durchaus ehrenwert) überzeugt sind, die aber weder psychologisches Verständnis, künstlerische Sensibilität, noch die artistische Ausdrucksfähigkeit für die Frage haben, warum die Widerständler des 20. Juli als Menschen so handeln wie sie handeln, und wie es ihnen dabei geht. Das ganze wirkt einfach ganz furchtbar aufgesetzt.
Dabei wäre dies gar nicht nötig gewesen: Denn erstens gibt es menschlich-biographische Zeugnisse zuhauf über die Beteiligten des 20. Juli (zumal sowohl Zeitzeugen als auch Nachfahren Unterstützung angeboten hatten, und zweitens sind die beteiligten Schauspieler (Tukur etc) so viel besser als sie hier erscheinen.
Wirklich schade. Damit ist auch eine hervorragende Chance verspielt, den 20. Juli den Zuschauern wirklich nahezubringen. Hier wird ein weiterer toter Denkmalsockel aufgestellt, von denen wir schon genug haben. Was fehlt, ist den Geist, die Menschen und die Motive dieser Bewegung erlebbar zu machen.
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