Vorweg muss ich gestehen, dass ich National Geographic und die von der Zeitschrift herausgegebenen Bücher außerordentlich schätze. Umso enttäuschender ist dieses Buch. Der Untertitel "Unglaubliche Reiseerlebnisse aus Arizona, New Mexico, Kalifornien und Colorado" ist ein einziger Etikettenschwindel. Fangen wir einmal mit den Staaten an: Kalifornien kommt fast gar nicht, Colorado nur am Rande vor. Dafür aber sehr viel Mexico, auch mit Themen und Regionen, die mit dem Südwesten der USA wirklich nichts zu tun haben. Zweitens enthält das Buch keine Reiseerlebnisse, sondern ein Sammelsurium von sehr heterogenen Texten, die wahrscheinlich schon einmal in irgendwelchen Zeitschriften erschienen waren. Sehr viel davon sind historische Berichte, mit denen der Autor - ein Alt-68er - seine Biographie aufarbeitet. Breiten Raum nimmt die Geschichte eines Bergarbeiterstreiks aus 1950 ein (die Mine ist längst geschlossen), ebenso der Mord an einem Hippie im Jahr 1968. Unglaublich ist nichts an den Episoden in diesem Buch. Im Gegenteil, vieles ist schlicht langweilig, ohne Esprit und ohne Witz erzählt. Die meisten Themen (Streiks, Umweltzerstörung, Umgang mit Hippies) sind auch nicht typisch für den Südwesten, sondern für die gesamten USA. Wirkliche Einblicke in das typische des Südwesten blitzen nur selten auf, einmal in einem kurzen Abschnitt über die Bola-Tie, einmal in einer Passage über Samtbilder. Aber auch diese Schilderungen bleiben leblos und belanglos. Schade, dass National Geographics Qualitätskontrolle hier versagt hat.