Wer bereits ein Buch von Roger Smith gelesen hat, kennt seinen brutalen und unbarmherzigen Schreibstil. Auch in Staubige Hölle" erwartet den Leser wieder die ungeschönte Konfrontation mit dem Leben und Sterben in Südafrika. Keine Gerechtigkeit, kein Erbarmen und keine Aussicht auf ein friedvolles Leben. In Smith' Thriller würde selbst ein Gang durch die Hölle zu einem erholsamen Spaziergang werden. Bereits das Cover mit der Waffe und der daneben liegenden Munition ist schon richtungweisend.
Zulu-Häuptling Inja Mazibuko, auch genannt der Hund, ist Agent der Special Investigation Unit, Auftragskiller und Handlanger des Ministers. Als dieser befürchten muss, dass der angesehene weiße Geschäftsmann Ben Baker ihn mit einer belastenden Aussage vor den Kadi bringen will, bleibt dem korrupten Justizminister nur eine Wahl: Ben Baker muss beseitigt werden. Der skrupellose Inja erledigt diesen Auftrag schnell und ohne mit der Wimper zu zucken. Diesmal ist ihm jedoch ein kleiner Fehler unterlaufen. Bei der Ausführung seines Auftrages beobachtet ihn die Geliebte Ben Bakers - Rosie Dell - verheiratet mit Robert Dell einem Weißen und Mutter zwei kleiner Kinder. Und noch bevor Inja die Zeugin beseitigen kann, gelingt es ihr zu fliehen.
Als Robert Dell ein paar Tage später, an seinem 40. Geburtstag, mit seiner Familie im Auto auf dem Weg nach Hause ist, wird der Volvo plötzlich von einem Pick-Up gerammt. Er durchbricht die Leitplanke und überschlägt sich ein paar Mal bevor er weit unten an den zerklüfteten Felsen zerschellt. Der Zulu-Häuptling hat auch seine letzte Zeugin beseitigt, samt ihrer Kinder. Was er nicht weiß: Robert war nicht angeschnallt und wurde von der Wucht des Aufpralls aus dem Wagen geschleudert, bevor dieser die Leitplanke durchbrach.
Szenenwechsel: Inja Mazibuko bereitet sich auf seine Hochzeit mit der sechzehnjährigen Sunday vor. Vor Jahren ermordete Inja ihre Eltern und nun hat er sie ihrer Tante abgekauft. Bei den Zulus heißt es, dass durch die Vereinigung mit einer Jungfrau, die Krankheit AIDS, an der Inja erkrankt ist, geheilt werden kann. Inja, der bereits ein Kleinkind entführt, vergewaltigt und getötet hat, hofft, durch eine zeremonielle Trauung, seinem Schicksal zu entkommen. Und ihm bleibt nicht mehr viel Zeit ...
Roger Smith, geboren in Johannisburg, lebt und arbeitet in Kapstadt. In seinen Romanen zeigt er den Lesern ein anderes Bild Südafrikas. Ein Bild, welches sich so stark in das Gedächtnis einbrennt, dass man nicht mehr an Urlaub denken mag. Wie bereits in Kap der Finsternis", ist Roger Smith` Darstellung von Gewalt, Hass und Korruption erschreckend brutal und nur sehr schlecht zu verdauen. Da ich seinen ersten Roman ja schon gelesen habe, war ich schon vorbereitet und wusste, was mich in etwa erwartet.
Trotzdem nahm mir diese Hoffnungslosigkeit, die von der Geschichte ausgeht, regelrecht den Atem. Dabei geht es nicht einmal um den Hass zwischen Schwarzen und Weißen, sondern um den Hass allgemein, auf alles und jeden - und die Kaltblütigkeit, mit der Leute regelrecht hingerichtet und abgeschlachtet werden. Der Autor schockiert und fesselt zugleich. Trotz der ganzen Gewaltszenen konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen, weil Roger Smith seine Figuren so bildhaft beschreibt, dass man diesen Weg mit ihnen einfach bis zum Schluss gehen muss, ohne Rücksicht auf Verluste.
Dieser Thriller wird mich mit Sicherheit wieder mehrere Tage beschäftigen. Ich möchte Menschen, die Gewaltszenen schlecht verarbeiten können auch von diesem Buch wieder abraten. Es ist nun wirklich keine leichte Kost. Von mir gibt es auch diesmal wieder die volle Punktzahl.