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Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.06.2001
Jakob Hessing weist zunächst darauf hin, dass sich Margarita Pazi bei der Beschäftigung mit deutsch-jüdischer Literatur weniger auf die Autoren selbst konzentrierte, sondern vielmehr auf die "ethnische Bewusstseinslage, aus der sie (die Literatur) entsteht". In Zentrum des vorliegenden Buchs stehen die "jüdisch-deutschen Autoren vor dem Dritten Reich", informiert Hessing, etwa Kurt Tucholsky, dem die Autorin vorwirft, sich nicht genug für die Rettung der Juden eingesetzt zu haben, sondern vielmehr 'nur Spott und Anklagen, Vorwürfe und Verurteilung' für Juden übrig gehabt zu haben. Hessing macht bei Pazi bisweilen eine stark ideologisch geprägte Haltung aus, was er nicht immer gerecht findet. Doch das "Engagement" der Autorin, dass in diesen Texten spürbar sei, ist seiner Ansicht nach nicht nur eine Schwäche, sondern bisweilen auch die Stärke des Bandes. Gerade die Tatsache, dass Pazi nicht nur Historikerin, sondern auch eine der "letzten Zeugen" dieser Periode ist, macht für ihn die Qualität der Texte aus.
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Pressestimmen
»Margarita Pazi (1920 bis 1997) war Professorin in Tel Aviv und erforschte die deutsch-jüdische Literatur von einer Warte, die in der Germanistik kaum zu finden ist: Sie nahm einen dezidiert zionistischen Standpunkt ein. Pazi ist weniger an den Texten als an den Autoren interessiert, weniger an der Interkulturalität dieser Literatur als an der ethnischen Bewußtseinslage, aus der sie entsteht. (...) Der Titelaufsatz »Staub und Sterne« sowie ihre Einführung in das Werk von Jenny Aloini sind Frauen in Palästina und Israel des zwanzigsten Jahrhunderts gewidmet, die deutsch geschrieben haben. (...) Mit ihrer intimen Kenntnis dieser Szene hat Pazi hier einen unverkennbaren Beitrag zur Germanistik geleistet. Man merkt diesen Texten das Engagement an, dem sie ihre Energie verdanken. Es ist ihre Stärke und zugleich ihre Schwäche: Margarita Pazi schreibt nicht nur als die Historikerin dieser Periode, sondern auch als eine ihrer letzten Zeugen.« (Jakob Hessing, Frankfurter Allgemeine Zeitung)
»Wenn Margarita Pazi in ihren Aufsätzen über Broch, Brod, Kafka, Kraus, Lasker-Schüler, Sachs, Tucholsky, Werfel oder Zweig jeweils das Jude-Sein der Autoren fokussiert, gestaltet sie in summa ein differenziertes Spektrum jüdischer Identitäten zwischen Assimilation und Aufbegehren, Defensive und Utopie. Solcherart sind Margarita Pazis sorglich gestaltete historische und »ideengeschichtliche« Szenarien nicht für die Gelehrtenrepublik reserviert, sondern praktizieren im Denken über Worte und Werke jene »Entschleunigung«, welche man neuerdings gerne propagiert.« (Neue Zürcher Zeitung)
»Bisweilen glaubt man über den einen oder den anderen Schriftsteller genug zu wissen, um dann mit der Nase auf neue Perspektiven gestoßen zu werden. Die Aufsätze der 1997 verstorbenen Tel Aviver Literaturwissenschaftlerin Margarita Pazi sind von solcher Qualität. (...) Pazis Fähigkeit, die Person im Bannkreis von Werk und Umwelt hervortreten zu lassen, kommt den Analysen zugute. Margarita Pazi pflegt kein lebloses Spezialistentum, obwohl sie kenntnisreich zu Werke ging und ihre Deutungen selbstbewußt vortrug. Eingehend erörtert sie das Selbstverständnis der Autoren, die auf je eigene Weise die Frage nach ihrer jüdischen Identität gestellt und das Problem der Assimilation wahrgenommen haben.« (David Landor, Allgemeine Jüdische Wochenzeitung)