Es war eine große Freude zu lesen, dass dieser letztmalig 1981 gezeigte Film endlich auf DVD erscheinen werde, liest sich die Darstellerriege doch wie die erste Garde der europäischen Filmstars der 70er/80er.
Freunde des französischen und italienischen Kinos wissen, wie rar DVDs (mit dt. Fassungen) aus diesen Ländern gesät sind.
In einem scheinbar endlosen Stau zu Beginn der Sommerferien auf einer Autostrada irgendwo in Italien stoßen Menschen aus verschiedenen Ländern mit unterschiedlichstem sozialen Background aufeinander.
Leider gibt keine der Rollen in 'Stau' etwas her, dafür sind die Dialoge zu einseitig und die Figuren zu zahlreich.
Patrick Dewaere z.B. spielt einen überdrehten Verliebten, der auf dem Weg zu seiner Angebeteten kettenrauchend dem Wahnsinn verfällt.
Annie Girardot und Fernando Rey geben ein streitendes Ehepaar auf der Suche nach dem Haustürschlüssel. Marcello Mastroianni spielt einen alternden Filmstar, der sich von einem an der Autobahn lebenden Ehepaar einladen lässt und hinter's Licht geführt wird. Und so weiter, und so weiter.
Viele kleine Geschichten, die alle nicht miteinander verquickt werden, sondern nur lose, mit dem Stau als einzigem Dreh- und Angelpunkt, aneinander gestückelt erscheinen.
Die durch den Stau entstehende Krise, in die die Autofahrer und ihre Begleiter unvorbereitet geraten, wirkt überzeichnet und wird leider auch völlig überstrapaziert. So lässt das Hupen lange nicht nach, und das, obwohl absoluter Stillstand eingetreten ist. Comencinis Bild einer brüchigen bürgerlichen Gesellschaft?!
Dies lässt sich in einer unerträglichen Vergewaltigungsszene am ehesten erkennen, dann nämlich wenn Angela Molina mehrfach von mehreren jungen Männern, u.a. Ernst Hannawald, vergewaltigt wird und keiner der 4 männlichen Reisenden im Auto dahinter einschreitet, sondern zusieht und missbilligende Kommentare abgibt.
Die Figuren wirken oberflächlich und eindimensional, so dass weder Charakterstudien gezeichnet werden, noch darstellerische Glanzleistungen erreicht werden (können).
Nach anstrengenden und wenig ergiebigen 108 Minuten ist der Film dann endlich vorbei.
Aus heutiger Sicht ist 'Stau' nur noch ein kaum originelles Relikt seiner Zeit; der gesellschaftskritische Ansatz verliert sich im Einerlei der zigfachen Handlungsstränge.
'Stau' befindet sich, laut Covertext, in der ungekürzten Originalversion.
Leider fehlt für einige Szenen der deutsche Ton, so dass ganze Passagen in Italienisch bzw. Französisch (und dies im Synchronverfahren!) über den Bildschirm flimmern, aber nicht in Deutsch synchronisiert sind, und diese mit (teils unvollständigen und nicht immer schlüssigen) Untertiteln gezeigt werden.
Als Extras gibt es einen alten deutschen Vorspann, der von Cassette überspielt wurde, sowie eine Bildergalerie, einen Audiokommentar des Produzenten Michael Fengler und eine ganze Reihe von Trailern zu längst vergessenen Filmen der 70er und 80er Jahre.
2 Sterne, weil es schwer genug ist, an synchronisierte Filme mit Patrick Dewaere und Annie Girardot zu kommen.